Kategorie: Corona-Tagebuch

Vom Wert des Menschen

Vielleicht erinnert sich der oder die eine oder andere geneigte Leserin an die Zeit in den 1990ern, als man daran ging, den Wert eines Singvogels zu ermitteln. Frederic Vester kam 1996 auf 300,00 DM, also rund 154,00 Euro für ein Blaukehlchen und heute erschallt die frohe Kunde: Der Wert des Menschen ist ebenfalls ermittelt, Halleluja!

Wir lernten ja in der Corona-Pandemie, dass der Wert eines Menschenlebens als absolut zu setzen ist, und wir alle reißen uns mordsmäßig zusammen, um unsere Alten und Schwachen zu schützen. Alle damit zusammenhängenden ökonomischen Folgen sind Peanuts, denn neben dem Absoluten ist alles klein.

Und das Wunder geschah auch Dank der langjährig aus Steuermitteln geförderten Grundlagenforschung im Bereich genbasierierter Vakzine: BionTech und anderen gelang es in Windeseile, einen hochwirksamen Impfstoff zur Marktreife zu entwickeln. In nur einem! Jahr, das ist wirklich großartig und dafür herzlichen Dank und Gruß an das Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci und eure Mitstreiter*innen.

Tja, wie gesagt, der Impfstoff ist nicht das Thema, es ist das Impfen. Wir leben ja inmitten der größten Menschheitskatastrophe im 21ten Jahrhundert – laut Storytelling unserer Bundesregierung mit dem Autorenkollektiv SeehoferKerberKölbl – und wir glauben das alle und fürchten uns und schützen uns und bangen und hoffen auf Erlösung. Doch er kommt nicht, der Impfstoff.

Die Europäische Union schwang tapfer ihr scharfes Verhandlungsschwert und schmiss sich in die Bütt, denn die geforderten 54,00 Euro pro Dosis von Biontech waren den Verhandlern vieeeeel zu teuer. Es wurde zäh gerungen und verhandelt und schließlich zwang man die gierige Pharmalobby in die Knie, denen zeigte man es so richtig und müde und zittrig von der Anstrengung wochenlanger Verhandlungen und voller Stolz präsentierte man den Europäerinnen und Europäern das Ergebnis. 12,00 Euro pro Dosis BionTech/Pfizer. Und die anderen Vakzine gibt es noch billiger zu haben. Pro Dosis erhält Astra Zeneca: 1,78 Euro (Hurra, ein Schnäppchen!), Johnson & Johnson erhält 6,95 Euro, Sanofi-GSK erhält 7,56 Euro, Curevac runde 10,00 Euro. Nur Moderna liegt extrig bei exklusiven 14,70 Euro.

So ging die Zeit ins Land und in den deutschen Pflegeheimen wurde weiter still gestorben und einige andere Länder waren voll unsolidarisch und zahlten den verlangten Preis ohne Verhandlungen und impfen wie die Weltmeister. Hach USA, hach Großbritannien, hach Isreal, wie sehnsuchtsvoll richtet sich unser Blick nach euren Gestaden. Ihr zahlt den vollen Preis und ihr werdet als erstes bedient.

Es ist nun einmal so in der Ökonomie: Es gibt Angebot und Nachfrage und wenn die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt und das Angebot wirklich dringend gebraucht wird – zum Beispiel wenn es um Leben und Tod geht – dann ist Verhandeln eine saudumme Idee. Dann schubst Dich der Dealer einfach ans Ende der Schlange. Und all das hat mit Moral gar nichts zu tun, es ist Business.

Nur mal so gesetzt den Fall, Deutschland hätte Biontech die volle Summe bezahlt, dann lägen wir mit 54,00 Euro je Dosis und 82 Millionen Einwohner*innen bei 4,428 Milliarden Euro. Das ist ein Batzen Geld, das gehe ich mit. Huch, da schiebt sich doch glatt eine Erinnerung in mein Bewusstsein: Erhielt nicht die Lufthansa eine Corona-Hilfe von 9 Milliarden Euro? Natürlich haben auch andere Corona-Hilfen erhalten, doch bleiben wir einfachheitshalber bei der Lufthansa. Ach ja, und die Lufthansa entlässt gerade so rund 10.000 Mitarbeiter*innen von ihren 135.000 Mitarbeiter*innen, das sind roundabout 7,4%. Klar, in der Krise müssen wir alle den Gürtel enger schnallen.

Die Pointe erscheint mir so ungeheuerlich, dass ich sie wahrscheinlich versemmeln werde. Wir so (die Menschen in Deutschland) erhalten KEINEN sauteuren Impfstoff für knapp die Hälfte der Unterstützung der Lufthansa. Stattdessen warten wir jetzt, während wir die dritte Corona-Welle absurfen, auf den Impfstoff für 12,00 je Dosis oder weniger. Deutschland kommt dann mit 1 knappen Milliarde Euro für die Vakzine davon. Das hast Du toll gemacht, Deutschland, Bravo Europäische Union, ihr habt uns über 4 Milliarden Euro gespart. Selbst wenn BionTech 100,00 Euro pro Dosis aufgerufen hätte und wenn wir alles mal zwei rechnen für zwei Impfungen pro Nase wären wir günstiger rausgekommen als mit der Lufthansa-Hilfe.

Ja und die Menschen, die da weiter so vor sich hinsterben und still Pleite gehen? Jo mei, dann tragt halt zwei Masken übereinander, dann hört man auch das Schimpfen nicht so laut. In Bayern sagt man dazu lakonisch: Mit Schwund muast rechnen.

Sie, wissen Sie was, ich habe Null Bock, mich darüber aufzuregen. Ich würde ja liebend gerne dem Şahin, Uğur und der Türeci, Özlem einen Brief schreiben.

Liebe Özlem,
Lieber Uğur,

gerne bestelle ich euren fabelhaft wirksamen Impfstoff direkt bei euch. Selbstverständlich bezahle ich wie von euch angeboten, gerne auch mit Vorkasse. Schickt bitte die fünf Dosen in einer hübschen Kühlbox mit UPS. Der Fahrer weiß Bescheid und die Tiefkühlung steht bei uns im Carport, falls wir gerade nicht da sind. Und wisst ihr was, ich runde auf 100 Euro pro Dosis auf, denn das ist mir meine Familie wert und ich mir auch und vielleicht motivieren euch die 100 Euro pro Dosis, die Lieferung rasch zu veranlassen. Das Spritze setzen haben wir mit Youtube-Videos geübt, das läuft super und in drei Wochen schickt ihr bitte die zweite Lieferung.

Bleibt gesund und munter, Euer

Stefan Theßenvitz

Jetzt will ich doch noch wissen, was man für 12,00 Euro so alles bekommt. Unsere Gastwirtschaft um die Ecke hat dafür ein knuspriges halbes Hendl mit Kartoffelsalat im Angebot incl. einer Flasche regionales Bier – natürlich ToGo. Und wissen Sie was, das bestelle ich mir jetzt und für meine Frau auch und dann denken wir über den Wert des Menschen nach und dann hauen wir über diesen Irrsinn ein Ei und dann machen wir eine Flasche hiesigen Weißwein auf (für 12,00 Euro gibt’s dafür zwei Flaschen besten Stoff direkt ab Winzer) und dann die zweite Flasche und dann feiern wir mit lauter Musik, denn wer es sich während Corona schlecht gehen lässt, ist selber schuld.

Wiesentheid, 24. Februar 2021

Nudging und die schwarze Magie

Nicht wirklich im Licht der Öffentlichkeit arbeitet die Bundesregierung unter Angela Merkel seit 2015 mit dem Konzept des liberalen Paternalismus. Über das Nudging und dessen „weißer Seite der Magie“ schrieb ich bereits – mehr dazu lesen Sie hier: https://www.thessenvitz-unternehmensberatung.de/nudging-und-weise-interventionen-methoden-wirksamer-kommunikation/.

Ein paar Beispiele zum Nudging

  • Sie fahren mit Ihrem Auto auf eine geschlossene Ortschaft zu und sie sehen auf einer Tafel ihre aktuelle Geschwindigkeit. Liegen sie über der erlaubten Geschwindigkeit, dann blinkt es rot oder ein schlechtgelauntes Smiley erscheint, liegen sie mit Ihrer Geschwindigkeit drauf oder drunter der erlaubten Geschwindigkeit, dann blinkt es grün oder das Smiley lächelt.
  • Bei einem Übernachtbesuch bei Freunden stieg ich morgens auf die Waage im Bad der Gastgeber. Statt meines Gewichts in Ziffern erschien auf der Waage der Text „Zu fett!“. Ja, sagte die Gastgeberin, sie hätte die Waage so eingestellt, das würde sie motivieren.
  • In vielen Kantinen finden Sie mittlerweile die Süßspeisen in der zweiten und dritten Reihe hinter dem Joghurt und dem Obst. Es ist ein wenig anstrengender und unbequemer geworden, an Süßes zu kommen. Der Absatz von Süßspeisen in diesen Kantinen geht signifikant zurück.
  • Ein Mehrgeschosser-Neubau in Frankfurt verfügt über vergleichende Mess-Systeme des Energieverbrauchs. Ich kann in meiner Wohnung jederzeit meine Energieperformance mit anderen Wohnungen vergleichen und erfahre schnell mein Ranking und ob ich die Umweltsau oder der Umweltprimus im Haus bin.
  • Naja, der Veggie-Day der Grünen entspross auch dem Nudging, das ging wie bekannt gründlich daneben. Wobei die Botschaft echt gut gemeint war. Esst mehr Obst und Gemüse.

Nudging macht die Welt besser

Wir halten fest: Nudging entlastet das Denken und begünstigt gute Entscheidungen: Kontrolle des Körpergewichts, mehr Bewegung (Fitness-Apps sind Nudging-Werkzeuge), Ernährungsverhalten, Steuerehrlichkeit (gute Formulare führen zu mehr Steuerehrlichkeit), Fahrverhalten (Tempolimits), Wahl der Transportmittel (CO2-Emissionen), Energie- und Wasserverbrauch, Altersvorsorge und Finanzen. Soweit zur weißen Seite der Magie des Nudging und diese Seite ist auch ganz toll, denn sie macht die Welt besser.

FakeNews brennen zweimal

Blicken wir auf die andere Seite des Nudging, auf dessen schwarze Seite. Hier erleben wir seit vielen Jahren die Zunahme von FakeNews: aus parawissenschaftlichen Erkenntnissen, präzise verstümmelten Ausschnitten aus Studien oder gleich gefakten Studien, irgendwelchen Autoritäten (gerne im Businessanzug oder im Arztkittel, auch Ökoschlabberlock und unkonventionelle Haartracht erzeugt milieuspezifische Vertrauensvorschüsse!) und deren überhöhter Inszenierung in sozialen Medien wird ein scharfes  Verschwörungsgulasch angerührt – reichlich gewürzt mit Halbwahrheiten aus der Tagespolitik. Wir wissen ja, ein gutes Gulasch brennt zweimal, beim Reinschlürfen und beim Ausscheiden.

Nudging macht die Welt schlechter

Die dort angerichtete Bedrohung führt zu urweltlichen Reflexen: wir bekommen es mit der ANGST zu tun. Und wer Angst hat, ist leicht manipulierbar. Wer Angst hat, sehnt sich nach Rettung. Satan sei Dank ist diese in FakeNews immer sofort zur Stelle. In Dreiwort-Sätzen, in Schuldzuweisungen, in Allmachtsphantasien und all dem Endzeit Bling-Bling – natürlich immer mit der Lichtgestalt, die uns ihre gütige Hand reicht. Soweit zur schwarzen Seite der Magie des Nudging und diese Seite ist ganz furchtbar, denn sie macht die Welt schlechter.

Schuld und Strafe

Blicken wir auf – richtig geraten – Corona und die Strategie unserer Bundesregierung zur Bewältigung dieser (so sorry, da ist ja gar keine) – also gut, blicken wir auf die Kommunikation unserer Bundesregierung in der Corona-Pandemie. Mich wundert schon seit Monaten der grobe Ton, der mir als Bürger regierungsseitig entgegenschlägt und die Hochrechnungen und die plastischen Darstellungen des bevorstehenden Massensterbens und dass ich Schuld bin, ja ich und deshalb muss ich um 9 ins Bett und wie furchtbar alles immer weiter eskaliert und es gibt nur eine Rettung: verkriech Dich zu Hause, lass niemanden rein und geh´ nicht raus.

Ihr wollt, dass ich Angst habe

Mir machen diese Nachrichten ANGST, ehrlich. Und so wie es aussieht, ist das Teil der Kommunikations-Strategie der Bundesregierung. Die Bundesregierung will, dass ich Angst habe und sie macht ihre Arbeit gut. Denn die Angst, das Misstrauen, die Unsicherheit sind mitten unter uns und beherrschen den Diskurs. Gehört wird eigentlich nur noch, wer noch mehr Angst verbreitet. Ich nenne das jetzt mal das SKK-Syndrom – SeehoferKerberKölbl. Es ist Teil unserer Alltagswirklichkeit. Ich will hier echt keine Sau durchs Dorf treiben und ich unterstelle wirklich jedem Menschen erstmal gute Absichten, doch das Ergebnis der Kommunikationsarbeit ist schon gruselig. Dazu meine Oma: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“ Das sagte sie gerne, wenn ich den Vorsatz anstelle der Tat zur Geltung bringen wollte. Den Satz entlieh sie augenzwinkernd George Bernard Shaw.

Jetzt nehmen wir den Vorsatz beim Schopf. Das regierungsseitige Story-Telling mit den erstickenden Menschen vor verschlossenen Krankenhaustüren und den traumatisierten Kindern, deren Oma sterben musste, weil sie sich nicht die Hände gewaschen haben, ist Teil einer bewussten Beeinflussung meiner Seele, um einen Worst-Case zu verdeutlichen. Dafür brauche ich kein Corona, dass mir hier der Atem stockt. Dieses Story-Telling rührt bewusst an unsere Urängste: Ersticken und nicht zu heilende Schuld. Das ist das Tor zur Hölle. Das ist die schwarze Seite des Nudging. Ich werde manipuliert, damit ich Angst bekomme damit ich tue, was man mir sagt. Kann sich unsere Bundesregierung nicht vorstellen, die Bürger vernünftig und sachlich zu informieren? Traut man uns Bürgern keine aufgeklärte Haltung zur Realität zu? Ich habe einmal gelernt, dass Kommunikation mehr über den Sender als über den Empfänger offenbart.

Die Neutronenbombe ist gezündet

Über das emotionale Erschrecken hinaus erkenne ich, dass sich unsere Bundesregierung der gleichen Methoden bedient wie die FakeNews-Branche: Überwältigung, Erregung, Schock, Angst und Misstrauen als Kommunikations-Strategie. Verstehen sie, was sie damit anrichten? Den kompletten Vertrauensverlust, die Hinwendung zu Bewegungen mit den einfachen Antworten, die Verunmöglichung des differenzierten Diskurses, die Ausgrenzung jedes Menschen, der minimal anders tickt. Ich sage es jetzt doch: ich vergleiche die Corona-Pandemie mittlerweile mit einem Krieg. Corona ist wie eine Neutronenbombe, die in der Atmosphäre gezündet wird. Die Häuser bleiben stehen, doch das Leben stirbt leise, jeder verstrahlt in seinem Loch. Hiram Johnson, US-amerikanischer Politiker brachte es auf den Punkt: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“

Die Wahrheit kämpft mit den falschen Waffen

Wenn die Wahrheit stirbt oder einfach der Mut zur Wahrheit, wenn der Gedanke der Aufklärung stirbt und der oft auch lästige aber bitter notwendige Diskurs (auch mit Deppen), wenn die Sache hinter der Ideologie verschwindet, dann ist schnell Schluss mit Demokratie. Wenn man sich der Methoden der Feinde unserer Demokratie bedient, um diese Feinde zu besiegen, dann ist das ein Fehler. Den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen ist so ziemlich der größte Blödsinn, den man glauben kann und ein echter Brüller auf jeder guten Militärakademie. Denn der Feind ist nur dann zu schlagen, wenn wir ihn in eine Schlachtordnung und Waffenwahl zwingen, in der wir überlegen sind (das gilt übrigens auch für Fußballspiele). Woran bitte soll man denn die Wahrheit erkennen, wenn sie sich im schmierigen Gewand des verschlagenen Angstmachers von hinten anschleicht und ihren stinkigen Atem in unsere Ohren haucht?

Der Ton macht die Musik

Ich lege Ihnen die Tagesschau vom 9. Dezember 1980 ans Herz, die gibt es bei Youtube in voller Länge zu sehen https://www.youtube.com/watch?v=FuVFArDaocU. An diesem Tag wurde John Lennon ermordet. Das war eine schreckliche Nachricht, nicht nur für Beatles-Fans. Der Bericht darüber wurde in der Tagesschau als letzte vor dem Wetterbericht gesendet. Das wäre heute bestimmt anders. Der Tod John Lennons wäre der Aufmacher, doch mir geht es um was anderes: mir geht es um den TON in der Tageschau, dieses trocken spröde Sachliche, Unbeteiligte. Heute unvorstellbar, da gäbs mordsmäßig Pipi in den Augen der Moderatorinnen und Moderatoren zu sehen – in groß und Slow-Tränen-Kullering in Farbe. Diesen sachlich überlegten, distanzierten und gerne auch kühl-unbeteiligten Ton brauchen wir wieder, und zwar dringend. Es geht darum, die Wahrheit und die Tatsachen anständig zu kleiden. Es geht um unsere Vertrauenskultur!

Corona ist mittlerweile ein politisch-gesellschaftliches Phänomen. Es liegt an uns, in welcher Welt wir nach Corona aufwachen wollen. In Erwartung sachlicher Informationen und Handlungsempfehlungen mit Augenmaß verbleibe ich für diesmal etwas aufgewühlt, Ihr

Stefan Theßenvitz

Wiesentheid, 24. Februar 2021

Sieben mögliche Post-Corona Gesellschaften

Im Winter 2021 mitten in der zweiten Corona-Welle und in Erwartung einer dritten und vierten Welle und möglichen Virus-Mutationen aus Großbritannien, Südamerika und Südafrika verdichtet sich die Erkenntnis, dass unsere Welt nach Corona eine andere sein wird. Die Pandemie ist ein epochales Ereignis und sie hat das Zeug dazu, die Welt grundstürzend zu verändern. Klar, die einen wollen zurück ins alte Gleis, die anderen wollen alles neu gestalten, jedes Grüppchen kocht sein Süppchen und alle wollen das Beste für ihre Zukunft.

Doch so einfach ist das nicht mit der Zukunft. Zum einen sind wir alle gefangen in der normativen Kraft des Faktischen – alles was wir tun, verstärkt die Wahrscheinlichkeit auf dessen Wiederholung. Zum anderen zeichnet sich eine Bifurkation ab – die Umstände erzwingen eine qualitative Zustandsänderung in unserem System.

Unser System funktioniert wie jedes organische System nichtlinear. Über exponentielle Verläufe haben wir ja im letzten Jahr eine Menge gelernt: Aus 1 werden 10 werden 100 werden 1.000 und so weiter. Am Anfang ist die Veränderung kaum wahrnehmbar, doch dann geht es rasend schnell. Ein möglicher exponentieller Verlauf kann in ein völlig neues Gleichgewicht münden – es wird vorstellbar, dass unsere Welt im Jahr 2025 eine völlig andere sein wird.

Das Faszinierende an organischen Systemen ist ja, dass sie immer nach Balance streben und innerhalb der Balance nach Wachstum und Vielfalt. Wird das Wachstum durch externe Faktoren gestört, kann das System schlagartig kollabieren – aus diesem Chaos entsteht wieder etwas Neues.

Mit jedem Tag, in dem sich das Corona-Virus tiefer in unsere Welt hineinarbeitet, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Pandemie noch länger dauern wird – das Wettrennen zwischen Virus-Mutationen und geeigneten Impfstoffen ist noch nicht entschieden. Denn schlussendlich entscheidet sich das Wettrennen nicht mit dem Impfstoff, sondern mit dem zügigen und vollständigen Impfen der „Herde“.

Jetzt kommen wir Menschen ins Spiel und die Gestaltung unserer Zukunft. Eines sehen wir bereits klar. Unsere Welt wird digitaler werden und hier passiert schon viel in Deutschland. Doch darüber hinaus wird es schon neblig. Unsere Zukunft hängt entscheidend davon ab, ob wir unsere Welt gestalten wollen und wie wir sie gestalten wollen. Für die Gestaltung unserer Welt brauchen wir dreierlei:

  • Zum ersten sind da unsere Fähigkeiten zum Gestalten – unser handwerklichen Fähigkeiten. In Stichworten: Aufgeben, Restaurieren, Verteidigen, Schützen, Gestalten, Verändern. Ja auch das Aufgeben ist eine handwerkliche Fähigkeit beziehungsweise die Negation der Fähigkeit, doch am Anfang liegt immer die Entscheidung, was ich unternehme. Das Aufgeben – das Nicht-Gestalten – ist auch eine Form der Gestaltung, denn es führt zum Gestaltet-Werden.
  • Zum zweiten ist da unser Willen zum Gestalten – unsere mentale Verfassung. In Stichworten: Resigniert – Mutlos – Pessimistisch – Passiv – Ängstlich – Vorsichtig – Kontrolliert – Trotzig – Unruhig – Aggressiv – Mutig – Neugierig – Zuversichtlich – Optimistisch – Tatenfroh – Aktiv. Ja, ich kann auch mutlos gestalten, das wird dann halt nix, doch ich kann auch tatenfroh an die Gestaltung herangehen. Es ist meine Entscheidung.
  • Und zum dritten ist da unsere Vorstellungskraft – unsere Fähigkeit zur Imagination. In Stichworten: Kopieren – Anpassen – Verbessern – Optimieren – Kombinieren – Transformieren – Erfinden. Verfügen wir über keine Vorstellungskraft, dann werden wir die Vergangenheit kopieren oder vielleicht ein bisschen optimieren, verfügen wir über die Kraft (die Gabe?, den Mut?) der Imagination, dann können wir die Welt neu erfinden.

Innerhalb des Koordinatensystems <Handwerkliche Fähigkeiten>, <Mentale Verfassung> und <Vorstellungskraft> findet die Zukunft statt, die wir gestalten. Für die Schaffung einer nachhaltig agierenden Gesellschaft benötigen wir – Sie ahnen es – herausragende handwerkliche Fähigkeiten, einen starken unbeugsamen Willen, der auch in schwierigen Phasen den Kurs hält und insbesondere benötigen wir eine Vorstellungskraft, die über das bereits Gedachte weit hinausgeht und den Mut hat, etwas völlig Neues zu denken.

Das Problem des Neu Denkens ist ja immer, dass man versucht ist, dieses Neue und seine Chancen und Risiken mit alten Werkzeugen und Methoden zu bearbeiten, zu messen und zu bewerten. Und die alten Methoden liefern natürlich alte Antworten: „Das Neue kann unter den Prämissen des Alten nicht funktionieren, also lassen wir es.“ Deshalb fragt man keine Frösche, wenn man einen Sumpf trockenlegen will.

Es gibt da in meiner Branche ein Bonmot: „Wenn ich etwas nicht will, dann lasse ich es rechnen.“ Der böse Satz bezieht sich auf Innovationen, auf Projekte, auf Neues. Der Satz bezieht sich auf alles, von dem der Vorstand, die Geschäftsführung oder die Investoren nicht überzeugt sind.

Wir könnten jetzt fragen, wer ist denn der Vorstand, die Geschäftsführung oder die Investorin unserer Welt? Wer kann das Neue denken? Wer kann das Neue rechnen? Nun ja, das sind Sie – ja Du, liebe Leserin und lieber Leser. Wer denn sonst bitte? Ich bin ja ein Freund der Selbstermächtigung und jetzt gebe ich Ihnen zwei Gedanken mit auf den Weg, ohne allzu biblisch zu werden.

„Im Anfang war das Wort“, so steht es am Anfang des Johannesevangeliums. Ich verstehe darunter, dass wir im Zuge der Schöpfung diese zuallererst denken und benennen können müssen. Dann können wir sie auch schaffen und gestalten.

In der Apostelgeschichte 3, 1 – 10 wird von Jesus berichtet, der zu einem Gelähmten sprach: „Steh auf und geh!“. Da stand der Gelähmte auf und ging. Verstehen Sie die Wucht seiner Worte? Jesus sagte nicht „Ich trage Dir den Arsch nach.“ Er sagte „Steh auf und geh!“.

So, und jetzt erzähle ich Ihnen von den sieben möglichen Post-Corona Gesellschaften. Als Erzählform wähle ich die Methode des Szenarios. Das Szenario entstammt der Commedia dell’arte – der Stehgreifkomödie – die Mitte des 16. Jahrhunderts in Norditalien erfunden wurde. Die Commedia dell’arte zeigte Frauen zum ersten Mal als gleichberechtigte, wenn nicht gar überlegene Figuren auf der Bühne, doch das nur am Rande. Ein Szenario beschrieb die Rahmenhandlung, alles andere war Improvisation.

Heute verwendet man Szenarien, um mögliche Zukünfte zu beschreiben. Szenarien geben uns eine Vorstellung davon, wie Zukünfte aussehen können. Ob und in welcher Ausprägung diese Zukünfte Wirklichkeit werden, hängt im Wesentlichen von unseren Fähigkeiten, unserer Verfassung und unserer Vorstellungskraft ab. Szenarien dienen uns dazu, Bedrohungen und Chancen zu erkennen. Szenarien dienen uns dazu, etwas Nicht zu wollen oder es mit ganzer Kraft zu wollen. Szenarien öffnen den Blick für das Mögliche und sie geben uns die Kraft, eine gute Zukunft gestalten zu wollen. Szenarien dienen uns dazu, auf der Grundlage von Tatsachen, Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten selbstbestimmt zu handeln. Es liegt an uns, welche Zukunft wir wollen!

Die folgenden sieben Szenarien sind eine extrem verkürzte, plakative Darstellung möglicher Zukünfte. Nichtsdestoweniger sind alle Szenarien präzise durchdacht. Sie gründen auf ausgiebigen Recherchen, Experteninterviews und Beobachtungen der aktuellen Zeitläufte. Alle Gedanken sind als Stichworte notiert, einfach weil ich will, dass diese Ihre Fantasie und Vorstellungskraft anzünden und Sie anregen, selbst weiter zu denken.

Der Zusammenbruch
Die atomisierte Clan-Gesellschaft

  • Insolvenzwellen reißen die Wertschöpfungsketten auseinander
  • Zusammenbruch des Mittelstandes
  • Massive Verarmung breiter Bevölkerungsgruppen
  • Das politische System kollabiert – Verweigerung des Vertrauens
  • Das Finanzsystem kollabiert – Vertrauensverlust in den Euro
  • Die öffentliche Versorgung bricht zusammen
  • Clanstrukturen etablieren sich im Machtvakuum

Zur Hölle mit dem Wandel
Die restaurierte Endzeit-Gesellschaft

  • Kampf um die Wiederherstellung des Prä-Corona-Wohlstandes
  • Investitionen in höhere Produktivität – ökonomisch gestützter digitaler Wandel
  • Ankurbelung des privaten Verbrauchs – steuerliche Anreize für E-PKW und Hausbau
  • Konzentration der öffentlichen Mittel auf Stützung und Stärkung der Wirtschaft
  • Stärkung der Eigenverantwortung der Bürger*innen – Gesundheit, Bildung, Vorsorge
  • Rückzug des Staates auf Kernleistungen – massive Einsparungen im Sozial- und Kulturbereich
  • Restauration der Werte – Rückkehr der alten Welt-Ordnung (Familie, Leistung, Patriachat)

Für immer Krise
Die hypernervöse Misstrauens-Gesellschaft

  • Jede/r und alles ist potenziell gefährlich
  • Verengung des Toleranzkorridors – jede Abweichung kann eskalieren
  • Alles kann jederzeit außer Kontrolle geraten – der Fluch der Exponentialfunktion
  • Aggressive Durchsetzung von Sofortmaßnahmen – die Dominanz der Kurzfristigkeit
  • Die neue Klugheit des Misstrauens: Vertrauen, langfristiges Denken, Partnerschaften sind dumm
  • Alles wird immer hinterfragt – Demokratie, Wirtschaftssysteme, Normen, Spielregeln
  • Alles muss bewiesen werden – was nicht bewiesen werden kann, ist gelogen

Primat der Sicherheit
Die Sicherheit-über-alles Gesellschaft

  • Nationen im Aufwind – Grenzen, Pässe, Visa
  • Staatlich kontrollierte Gesundheit
  • Die neue Unverletzlichkeit – Volksgesundheit vs. Selbstbestimmung
  • Menschen und Waren kontrollieren, verfolgen, isolieren, aussortieren
  • Städte sind risikoreiche Orte der Verrichtung von Arbeit – Landluft macht frei
  • Keimfreie Produkte, Begegnungen und Gedanken
  • Die alternativlose Autorität der Wissenschaft

Kuscheln im Privaten
Die abgeschottete Kirchturm-Gesellschaft

  • Wir von hier – das Vertrauen konzentriert sich auf die eigenen kleinen Kreise
  • Selbst ist das Dorf –Versorgung, Vorsorge, Verbundenheit, Veranstaltungen
  • Digitale Anbindung an die Welt da draußen – Arbeit, Gesundheit, Bildung
  • Analoge Anbindung an die Welt hier drinnen – mitmachen, mitgestalten, mithelfen
  • Das Private wird wieder politisch – Finger weg von unserem Dorf, wir haben unsere Regeln
  • Die neue Nahraumerfahrung – verlässlich, vertrauensvoll, übersichtlich
  • 30 Kilometer weiter haben wir nichts verloren – und die anderen bei uns auch nichts

Die neue Vereinbarung
Die Veränderungs-Gesellschaft

  • Die neue Lernfähigkeit – bewährtes Gutes und hoffnungsfroh Neues werden kombiniert
  • Neue Spielregeln für Arbeit, Konsum, Miteinander – Alles wird glokal
  • Die neue Klugheit – Verzicht auf vieles, nur weil wir es können (Tourismus, Mobilität, Konsum)
  • Die neue Widerstandsfähigkeit gegen Entwicklungen, die uns geschadet haben (Neoliberalismus)
  • Die neue Entdeckerfreude – wir betreten neugierig ökonomisch, ökologisch und sozial Neuland
  • Die neue Gemeinsamkeit – lebendige Solidarität und Gemeinschaft sind wertvoll
  • Die neue Verbundenheit mit der Nachbarschaft und der ganzen Welt

Renaissance 2.025
Die Wiedergeburts-Gesellschaft

  • Die gemeinwohlorientierte Politik und sozial-ökologische Ökonomie dienen der Wohlfahrt aller
  • Der Natur wird eine subjektive Rechtsposition zuerkannt – die Menschenrechte sind Teil dieser
  • Kultur und Teilhabe sind die tragenden Säulen der Gesellschaft
  • Das menschliche Maß wird zum Primat des Handelns – der Abschied von der Gigantomanie
  • Innovationen in allen Feldern der Wissenschaft dienen der Verbesserung der Lebensverhältnisse
  • Schönheit ist das allem Schaffen innewohnende universelle Gestaltungsprinzip
  • Die Welt ist ein guter Ort für alle – für Mensch, Tier und Natur

Wenn ich jetzt einen Wunsch frei hätte, dann den, dass wir an diesem Punkt gemeinsam weiterdenken und weiterarbeiten. Ich meine das ernst! Schreiben Sie mir.

Ihr

Stefan Theßenvitz

Wiesentheid, 31. Januar 2021

Von Privilegien und Menschen

Immer wenn ich das Wort „Menschen“ höre, wird mir etwas mulmig. Mit dem Wort Menschen schwingen in mir die Menschenrechte mit und die Menschenwürde – die unantastbare, die Menschlichkeit und besonders gruselig – die Mitmenschlichkeit. Die Mitmenschlichkeit, was auch immer das sein soll, lieben ja insbesondere die Kirchen. Die anderen Worte rund um den Wortstamm Mensch werden sehr gerne von Menschenrechts-Organisationen verwendet. Immer dann, wenn es etwas anzuprangern gilt, kommt irgend so ein Wort mit Mensch daher. Alle Wortschöpfungen rund um den Menschen bezeichnen eine Gefahr, ein Fehlen, ein Defizit und darauf weisen diese Worte hin. Deshalb wird mir immer bei „Menschen“ mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Die Hölle existiert

Der Mensch ist in seiner Gesamtheit ein außerordentlich schutzbedürftiges Wesen und seine menschengemachte Welt wird ihm oft – zumindest den widerborstigen Exemplaren – zur Hölle auf Erden. Homo homini lupus – der Mensch ist des Menschen Wolf. Politische Gefangene und nicht selten deren Familien leiden Höllenqualen in den Folterkellern der Diktaturen, die verabscheuungswürdige Kinderarbeit und die Ausbeutung von Frauen und Männern in Fabriken und auf Plantagen ist eine real existierende Sauerei ebenso wie durch Kriege der Heimat beraubte Flüchtlinge, die auf ihren Wegen hin zu den vermeintlich rettenden Gestaden elend verdursten, ersaufen oder in der Sklaverei enden. Dieses Elend ist durch und durch menschengemacht, es ist menschlich und das gibt es millionenfach. Dieses Elend ist seit Anbeginn der Menschheit geübte Praxis. Deshalb wird mir immer bei „Menschen“ mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Dieses real existierende menschliche Leiden und Elend resultiert aus dem Mangel an Rechten. Menschen haben keine Rechte und Menschenrechte – so wohltönend fanfarig sie auch daherschreiten und egal wie viel Ornat und Lametta an ihnen baumelt. Sie nützen den Betroffenen einen Scheiß, wenn es darauf ankommt. Eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit war die Erfindung der Bürger*in. Denn so wurde aus dem Mensch ein Bürger und dieser wird definiert durch Rechte und Pflichten in einem Rechtssystem. Nicht der Mensch steht oben und schaltet und waltet nach Gutdünken. Nein, das Recht steht oben über allem und darunter sind alle gleich. Das Recht schützt, das Recht bestimmt, das Recht entscheidet, das Recht straft. Eine Bürger*in ohne Rechte gibt es nicht, Menschen ohne Rechte schon. Deshalb wird mir immer bei „Menschen“ mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Ein guter Freund von mir – ein Gefängnisdirektor im Ruhestand und damals für die harten Jungs zuständig – kann sehr eindrücklich schildern, wie in einem geschlossenen System aus Bürgern Menschen werden und welche Regeln es zu beachten gilt, damit alles halbwegs friedlich bleibt im Knast. Strafgefangene haben nur eingeschränkte Bürgerrechte. Sie dürfen zum Beispiel nicht so einfach raus an die frische Luft, wenn ihnen danach ist, sie dürfen sich nicht ihre Zelle aussuchen und ihre Zelle kann jederzeit betreten und durchsucht werden. Auch die Klamottenfrage ist im Knast geklärt und der Speisenplan und die Aufsteh- und Essenszeiten. Wie also macht man sich Menschen gefügig oder besser gesagt – zu Diensten – wenn sie keine Rechte haben? Man versorgt sie mit Privilegien. Wer brav ist, wer kooperiert, wer ab und an nützliche Hinweise gibt, wer sich nicht kloppt, bekommt zum Nachtisch Apfelkompott. Wer sich gut führt, darf früher wieder raus aus dem Knast. Was Strafgefangene rettet ist ihr Wohlverhalten. Wohlverhalten wird belohnt, garstiges Verhalten – sich und andere schädigen – wird bestraft. Zugemessenes Wohlverhalten ist Ermessenssache, im Klartext: aus Wohlverhalten resultiert kein Rechtsanspruch. Deshalb wird mir immer bei „Privilegien“ mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Der Sound des Zeitgeistes

Nun denn, dann halten wir unser Ohr mal an den Zeitgeist und hören zu, welcher Textur man sich bedient im Lande. Beginnen wir mit Katrin Göring-Eckardt, sie bekommt im November 2015 Menschen geschenkt (was für ein gruseliges Menschenbild ist das denn bitte) und fahren wir fort mit einer kleinen Google-Recherche dann merken wir schnell, dass unsere Politiker*innen in den letzten Jahren immer weniger von Bürgern reden sondern von Menschen (insbesondere in europäischen Zusammenhängen). Auf der Website von Angela Merkel findet sich der schöne Satz „Eine starke Wirtschaft ist Voraussetzung dafür, dass die Menschen gut und sicher in unserem Land leben.“ Das ist ein schöner Satz, wirklich, doch man hätte das auch anders formulieren können. Anders gefragt: Sind diese und andere Formulierungen Zufall oder einfach unbedacht oder scheint hier eine Haltung durch? Mir zumindest wird es bei „Menschen“ immer etwas mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Kommen wir zum Refrain, den Privilegien. Corona legt hier wunderschön ein Denken frei, das sich trefflich zum Sinnieren eignet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lehnt Sonderrechte (Privilegien) für gegen das Coronavirus geimpfte Bürger ab. Dieser Gerechtigkeitsimpetus ist voll löblich. Doch sorry, Jens, hier geht es nicht um Privilegien, es geht um Bürgerrechte und wenn es nur die Bewegungsfreiheit ist. Friedrich Merz fordert, bereits Geimpften ihre Grundrechte zurückzugeben. Damit ist er einen Schritt weiter, doch im Nebensatz glimmen die Freiheitsrechte auf, die man einräumen könne. Hallo Friedrich, Du nix einräumen Freiheitsrechte, ich will meine Bürgerrechte und meine Freiheit zurück. Besonders schön an dem Wort Freiheit ist ja, dass es kleiner wird, wenn man es vermehrt. Freiheiten sind ganz was anderes als Freiheit. Mir zumindest wird es bei „Privilegien“ immer etwas mulmig, denn dann stimmt ganz grob was nicht.

Wozu taugt unsere Demokratie?

Qui bono – wem nützt es? Das muss stets die erste Frage sein. Nehmen wir die Bürger, die Menschen, die Rechte und die Privilegien und beziehen wir all das auf die letzten neun Monate seit dem März 2020, dem Beginn der staatlichen Eingriffe zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dazu nehmen wir unsere Demokratie und die Ministerpräsidentenkonferenz und huch, schnell merken wir, wir werden seit Corona durch ein nicht demokratisch legitimiertes Gremium regiert. Das müsse jetzt so sein, denn Demokratie wäre in diesem Falle zu langsam. An der Stelle plagt mich mein gutes Gedächtnis und rückt mir den Kosovo-Krieg 1999 in den Blick. Damals zog Deutschland auf der Grundlage des Beschlusses des Deutschen Bundestages (incl. der Grünen – die ich aus diesem Grund nie wieder wählen werde) in den Krieg, den ersten seit Ende des zweiten Weltkrieges, das nur am Rande. Für den Kriegseinsatz taugt die Demokratie, für die Pandemie nicht? Mir zumindest scheint, da stimmt ganz grob was nicht.

Als gelernter Betriebswirt weiß ich so viel: Ein System beweist sich erst in der Herausforderung, in der Grenzlast. Eine Bahn, die nur bei Rückenwind und Sonnenschein fährt, braucht kein Mensch. Wenn wir gerade irgendetwas beweisen, dann dies: wir brauchen keine Demokratie. Da sind Sie jetzt geschockt, oder? Wir hocken wie die Frösche im Wasser und merken nicht, wie sich das Wasser langsam erhitzt. Wissen Sie, was mit diesen Fröschen passiert? Ihr Eiweiß zersetzt sich und sie verkochen. In den letzten Monaten wurde uns scheibchenweise hier ein Recht und dort ein Recht genommen, demokratische Spielregeln werden zunehmend missachtet. Wir werden tütelich als Menschen angesprochen und wenn wir lieb sind, dann bekommen wir Leckerlie – also Privilegien. Mir zumindest übelt hier, denn da stimmt ganz grob was nicht.

Impfen ist Teil des Deals

Ich bin wirklich gerne Bürger in meinem schönen Land, ich erfreue mich meiner Bürgerrechte und bin mir meiner Bürgerpflichten bewusst. Selbstverständlich bin ich gegen Pocken, Kinderlähmung, Mumps, Masern und auch gegen die Grippe geimpft und natürlich habe ich einen Impfpass, in dem all das dokumentiert ist. Ich halte die Impfung gegen Covid-19 für Bürgerpflicht, denn damit schütze ich mich und andere, das ist vollständig ideologiefrei gedacht und sehr sehr einfach. Somit trage ich meinen Teil zum Deal bei und bitte, liebe uns Regierende, tragt auch ihr euren Teil zum Deal bei. Verschont mich mit eurem Menschengetue und eurem Privilegiengequatsche. Gebt mir einfach meine Bürgerrechte wieder zurück.

Stefan Theßenvitz

Wiesentheid, 1. Januar 2021

Church of Science

Die letzten Tage dachte ich oft an früher – an die 1970er und 1980er. Die Nachrichten drehten sich um die Außenpolitik, um die wirtschaftliche Lage in Deutschland, die RAF und um die wirklich wichtigen Themen – neue Filme im Kino, Schallplatten-Veröffentlichungen, neue Theaterstücke mit ihren Skandalen, neue Bücher und ganz viel Tratsch. Im Vermischten schließlich auf der letzten Seite der Süddeutschen fand sich immer eine kleine Rubrik, die meistens mit den Worten begann: „Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden ….“ Ich fand das immer sehr erheiternd, diese Meldungen aus einer vollständig fremden Welt mit ihren skurrilen Inhalten.

Das hat sich vollständig geändert. Mit dem Einzug des Waldsterbens, der Umweltkatastrophen und  der Erderwärmung in die gesellschaftliche Debatte gewann auch die Wissenschaft im öffentlichen Diskurs an Bedeutung. Wir lernten viel über den sauren Regen, über Quecksilber in den Flüssen und Frostschutzmittel im Wein, über Methan und Kohlendioxid und die Zusammensetzung der Erdatmosphäre, über Sonnenflecken, über Alpha-Strahlung und Becquerel und vieles mehr.

Mich prägte das sehr und ich empfand die Wissenschaft als einen Weg in die Aufklärung. Wir wussten immer mehr über die Zusammenhänge unserer Welt und unseren Beitrag in diesen Zusammenhängen. Ich lernte gerne dazu und mein Gefühl für die Verantwortung wuchs, die ich gegenüber der Welt habe. Ganz konkret war meine Generation die erste, die den Müll trennte, in meiner Kirchengruppe veranstalteten wir Basare mit gebrauchten Dingen, wir reparierten Fahrräder, die wir auf den Kirchentagen zum Verleih anboten, „Jute statt Plastik“ war mir ein sympathischer Slogan und ich begann beim Einkaufen auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten. Biologisch, regional, saisonal produziert und fair gehandelt, das ging mir in Fleisch und Blut über.

Mein Urvertrauen in die Wissenschaft wurde erschüttert im Zusammenhang mit dem Waldsterben. Die Tatsachen, die zum Sterben einiger Wälder am Südhang des Erzgebirges führten, wurden sehr stark emotional aufgeladen. Die Untersuchungsergebnisse wurden manipuliert, auf seltsame Arbeit extrapoliert und hochgerechnet. Es stimmte einfach hinten und vorne nicht mehr. Mir ist schon klar, dass weniger Umweltgifte prima sind, das weiß ich als Radfahrer, der sich in den brüllheißen Sommern Münchens in der abgasgeschwängerten Luft der Schwanthaler Straße eine saftige Portion bleihaltiger Abgase einverleibte und als Schwimmer in der Isar, der froh war, als die Einleitung der Fäkalien im Oberlauf beendet wurde.

Der Punkt ist, die Wissenschaft wurde zum Werkzeug der Politik. Die Wissenschaft baute ein Bedrohungsszenario nach dem anderen auf (die Erde verglüht, die nächste Eiszeit kommt), die Fördermittel für die angewandte Forschung wuchsen, die Wissenschaft griff beherzt zu und lieferte das Gewünschte: Prognosen aus einer Zukunft, die wir garantiert nicht erleben wollen. Die Politik pfiff sich eins und begann mit in Verordnungen und Gesetze gegossene Verhaltensänderungen. Ich sage es noch einmal: Ich erfreue mich einer Welt, in der keine alten Kühlschränke und Autoreifen im Wald entsorgt werden, in der kein Ölwechsel in der heimischen Garage erlaubt ist. Wissen Sie, warum sich die Menschen daran halten? Weil die Strafen brutal hoch sind – zu Recht.

Was nicht geht, ist eine Wissenschaft, die sich unlauterer oder unsauberer Methoden bedient, um Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen und sie damit der Politik als willfährige Lämmer zuführt. Ja, die wissenschaftliche Darbietung der Fakten zur Corona-Krise ist erbärmlich. Wir erfahren nichts über Vergleichswerte der Sterblichkeit aus den Vorjahren, wir haben keine Vergleiche innerhalb der Altersklassen, wir wissen nicht, wer wann wo getestet wird, wir unterscheiden nicht das Mit und An Corona gestorben. Lustigerweise sinkt die Infiziertenrate immer montags, einfach weil am Wochenende weniger getestet wird – hallo, ist das wissenschaftlich? Der demographische Wandel – heute leben mehr ältere Menschen als vor fünf und vor zehn Jahren in Deutschland wird bei der Übersterblichkeit nicht eingerechnet. Wir wissen nichts über den Anteil der Getesten zur Grundgesamtheit und deren statistische Verteilung innerhalb dieser. Ist die Stichprobe normalverteilt, wie ist sie zusammengesetzt, wo weicht ihre Zusammensetzung von der Grundgesamtheit ab?

Stattdessen gibt es den R-Wert, Inzidenz-Zahlen, erschröckliche exponentielle Kurven und Graphen, abstruse Vergleiche mit anderen Ländern mit vollständig anderen Lebensbedingungen (Infrastruktur, medizinische Versorgung, Bildungsstand der Bevölkerung, Bevölkerungsdichte, Altersverteilung) und als Höhepunkt der Wissenschaftlichkeit eine siebenseitige Erklärung der Leopoldina – davon zwei Seiten mit einer Auflisten der „Mitwirkenden“. Zum einen fällt spontan auf, die Erklärung hat keine Autoren, sie hat nur Mitwirkende, zum anderen die bunte Mischung der Professionen.

Die fünf Seiten lesen sich flott und sie lesen sich wie eine Handlungsanweisung zur Eindämmung der Pandemie. Die Leopoldina hat ohne bekennende Autorenschaft die Aufgabe der Politik übernommen. Die Politik ist nur mehr willige Vollstreckerin und in diesem Fall sogar im vorauseilenden Gehorsam noch härter in der Vollstreckung als sie die Schließung der Geschäfte nicht erst zum 24. Dezember sondern bereits zum 14. Dezember vornahm. Die Fleißbildchen der Wissenschaft sind der Politik sicher.

Lesen Sie die Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina einfach selbst:

Tief beeindruckend in der Ad-hoc-Stellungnahme ist der Vergleich mit Irland, ein Land, das mit dem unseren ja nahezu 1 zu 1 vergleichbar ist oder Belgien. Die rapide fallenden Zahlen in anderen Ländern – in Frankreich, Italien und Spanien, den Horrorländern des Frühjahrs 2020 – werden weder erwähnt geschweige denn erklärt.

Sehen Sie die aktuellen Fallzahlen in anderen Ländern einfach selbst. Google macht es möglich:

Ich sag es mal so: Wenn Wissenschaft glaubwürdig bleiben will, dann muss sie ihre Aufgabe ernsthaft angehen und sie muss bei ihren Leisten bleiben. Unser Land wird seit Monaten von der Ministerpräsidentenkonferenz regiert – ein Gremium, das im Grundgesetz nicht als Entscheidungsorgan vorgesehen ist – unser Land wird ohne parlamentarische Kontrolle und den Einbezug des Parlaments regiert und aktuell driften wir ab in eine Parawissenschaftlichkeit, die nur die Fakten heranzieht, die ihr passen. Das macht mich wirklich schaudern. Die Dominanz der Wissenschaft ist genauso bedrohlich wie die Dominanz der Religion oder des Neoliberalismus.

Deshalb werde ich mir jetzt keinen Aluhut basteln, keine Querdenker-Videos reinpfeifen oder bei illegalen Glühwein-Raves mitgrooven. Das mit dem Maske tragen, Abstand halten und Lüften ist schon in Ordnung. Die grundlegenden Hygieneregeln mit dem Händewaschen und so und nicht im Gesicht rumfummeln weiß ich seit meiner Kindheit. Bitte, liebe Wissenschaft, manipuliert mich nicht, sondern klärt mich auf!

Leider geht die Entwicklung in der Politik hin zum Wissenschaftlichen und damit reflexartig zum Alternativlosen – ich sage bewusst leider – denn die Auswüchse einer alles überformenden Wissenschaft erleben wir bereits im Rahmen der Klimadebatte mit so schönen Zuschreibungen von Menschen als Klimawandel-Leugner und dem Postulat, man wisse jetzt alles und müsse nicht mehr forschen. Liebe Wissenschaft, ich möchte nicht an euch glauben, ich möchte euch vertrauen.

Stefan Theßenvitz

Wiesentheid, 16. Dezember 2020

Corona-Voodoo

Voodoo ist immer dann, wenn magische Kräfte walten sollen. Wenn höhere – überirdische oder außerirdische Mächte angerufen werden, um bedrohliche oder verderbliche Entwicklungen für uns Menschen abgewendet oder zum Besseren gewendet werden sollen. Deshalb brachten Menschen Opfer für eine gute Ernte, sie hopsten singend über Feuerstellen für Regen oder errichten (bis heute) Flughafen-Tower aus Bambus in der Hoffnung auf Konservenregen aus Eisenvögeln.

Voodoo ist ein bisschen wie Homöopathie. Wirkt es, dann ist alles gut und wir fahren mit dem Hopsen fort. Wirkt es nicht, dann haben wir eben nicht genug gehopst oder nicht fest genug an die Wirkung des Hopsens  geglaubt oder zu spät mit dem Hopsen begonnen oder wir haben einen Verräter unter uns Hopsenden.

In meinen jungen Jahren verbrachte ich viele Ferien in Italien und es war immer wunderbar. Das Wetter, die Lebensfreude, der Cappuccino, der Vino, das Meer, der Reichtum an Kulturschätzen und überhaupt diese Leichtigkeit, dieser Charme und die laute Lebensfreude der Menschen. Doch ich blieb stets „deutsch“ und sah auch die schnell rostenden Autos, die knatternden Mopeds, die stinkenden Abwasserkanäle, die morschen Häuser mit ihren schiefen Wänden und Fensterläden mit der Wäsche draußen, die vielen Menschen mit kaputten Zähnen und die Zufälligkeit der Pünktlichkeit – eben all das, was ich als „nicht-deutsch“ empfand. Da war ich ehrlich gesagt immer ein wenig stolz auf „mein“ Deutschland, diese prachtvoll funktionierende Ingenieurnation und einen Johann Sebastian Bach hatten wir auch!

Im Frühjahr 2020 machte sich das Corona-Virus auf der Welt breit und wir alle waren geschockt. Keiner wusste, was zu tun ist und sicherheitshalber blieben die Menschen zu Hause, meist freiwillig. Im Sommer dann wurde das Leben wieder flockiger und ich dachte mir, jetzt bekommen wir das in den Griff, der zweiten Welle werden wir trotzen! Unsere Politiker, Wissenschaftler und Mediziner tüfteln jetzt einen unserem großartigen Land – eine weltweit führende Industrienation – angemessenen Plan aus und dann zeigen wir es der Welt und dem Virus.

Ich malte mir den Herbst und Winter 2020 ungefähr so aus: In den Schulen sind leistungsfähige Lüftungsanlagen und Luftfilter installiert, wir haben flächendeckend erstklassige digitale Lernangebote zur Verfügung – von der Grundschule bis zur Universität, der öffentliche Personen-Nahverkehr verdichtet seinen Takt auf zwei bis fünf Minuten und die Bahn auf 15 Minuten, damit die Reisenden genug Platz haben. Der Arbeitsplatz findet für die Pandemiezeit wo möglich seinen Weg ins Home-Office, wir bauen zehn Krankenhäuser mit jeweils 1.000 Intensivbetten, die wir vermutlich nicht selbst brauchen und europaweit zur Verfügung stellen können.

Wir haben eine Menge bestens geschulter und bezahlter Pfleger*innen und Ärzt*innen und natürlich haben wir haufenweise Kapazität für die Kinderbetreuung, wo nötig. Unsere Altenheime und Pflegeheime sind auf beste hygienische Standards hin getrimmt und die Hygienekonzepte dort sind so ausgefeilt, dass Besuche jederzeit möglich sind. Natürlich gibt es an jeder Ecke für jedermann und jede Frau schmerzfreie Schnelltests mit verlässlichen Ergebnissen.

Natürlich bleiben die Restaurants, Cafés, Bars, Kneipen, Clubs und vor allem die kleinen inhabergeführten Geschäfte offen, denn auch sie setzen die Hygienekonzepte sorgfältig um, natürlich finden weiterhin Konzerte mit Zuhörern und Fußballspiele mit Zuschauern statt, einfach weil wir es technisch und logistisch können. Und die Menschen lieben es und machen gerne mit.

Merken Sie was? Pustekuchen! Nichts, Nada, Niente, Zero, Null ist passiert. Keine Strategie, kein Konzept, kein Plan, keine Idee. Na gut, dass mit der Bazooka war schon Klasse, allein der Name ist schon beeindruckend.

Und so langsam keimt in mir ein Verdacht: Wir haben all das nicht umgesetzt, weil wir es nicht können. Wir haben es verlernt, gute Ingenieurlösungen zu entwickeln. Wir bekommen die Pandemie nicht mit technischen und logistischen Lösungen in den Griff. Bleibt noch der Mensch, den kann man verängstigen, manipulieren, schurigeln, in seine Schranken weisen und als Schuldigen brandmarken.

Die dargebotenen Lösungen empfinde ich als demütigend und erbärmlich. Kinder sollen sich in der Schule warm anziehen und ab und zu in die Hände klatschen und hopsen, so die Bundeskanzlerin. Wir sollen nicht mehr aus dem Haus gehen, außer zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt und zum Fresh-Air-Snapping Alone. Die Politik betet das Mantra vor: Menschen treffen ist böse, Alleinsein ist brav. Das ist der Griff in das Herz des Mensch-Seins.

Die Kinder mussten eigentlich nur in die Schule, damit deren Betreuung, respektive die Arbeitsfähigkeit der Eltern gewährleistet werden konnte. Genauso sagte es der Söder, Markus. Und die Polizei klingelt jetzt an der jeder Haus- und Wohnungstür und linst in die gute Stube, wer sich da so alles versammelt hat? Wie soll das funktionieren, bitte?

Die jetzt beschlossenen Maßnahmen sind nur mit der Aushebelung fundamentaler Grundrechte der Bürger*innen kontrollierbar. Was in Deutschland passiert ist Corona-Voodoo. Wir verstärken unsere Anstrengungen in den Bereichen, die bisher auch nicht funktioniert haben. Die Psychologie hat dafür einen Begriff: Neurotisches Verhalten. Wenn der Irrsinn nicht bald ein Ende findet, dann wird die Pandemie den Beginn eines neurotischen, hypernervösen Zeitalters einläuten, in dem die zutiefst verunsicherten und vereinzelten Menschen zur Church of Science beten. Ich flehe jetzt schon um Erlösung: Lasst uns technische und medizinische Lösungen finden statt Corona-Voodoo-Gehopse.

Stefan Theßenvitz

Wiesentheid, 16. Dezember 2020