Schlagwort: Krisenmanagement

Schluss mit Gründen: Sanierungskonzept für Deutschland

Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Situation in Deutschland, offene Fragen und Ideen für Lösungen.

Vier Feinde

Deutschland im Herbst 2026. Beginnen wir mit einem Bonmot. Was sind die vier Feinde der Reformen? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die etwas gereifteren Semester unter uns erinnern sich. Das war einer der Schenkelklopfer in der DDR. Die Frage bezog sich damals auf die vier Feinde des Sozialismus.

Wir Unternehmensberater werden immer gerufen, wenn die Hütte brennt, warum auch sonst. Und wir beginnen immer mit der Analyse der Situation. Die Begleitmusik der Auftraggeber ist häufig das Aufzählen der Gründe, warum die Situation so fatal ist. Doch jede Situation entsteht immer als Ergebnis eigenen Handelns.

Das gefährliche an vorgetragenen Gründen ist der mitschwingende Querverweis auf die eigene Unschuld an der Situation oder eine willkürliche Verengung der Perspektive, in der sich die berichtende Person in ein für sie möglichst vorteilhaftes Licht rückt. Lassen wir im Folgenden die Gründe weg und konzentrieren wir uns auf Tatsachen.

Tatsachen

Jede Sanierung beginnt immer mit einer sachbezogenen Analyse der Situation. Es geht darum, den Stand der Dinge als Tatsache anzuerkennen und diese Tatsachen klar zu benennen. Bezogen auf die Situation in Deutschland im Herbst 2026 sind auszugsweise genannt:

  • die schlechten Beziehungen zu den USA mit den damit verbundenen schlechten Handelsbeziehungen
  • die nicht geführten Gespräche mit Russland verbunden mit dem Abbruch langjähriger Beziehungen
  • der seit über vier Jahren tobende Krieg in der Ukraine mit mittlerweile weit über einer Million toten Soldaten und Zivilisten, ganz zu schweigen von dem materiellen Schaden
  • die ausufernde Inflation, die viele Bürger Deutschlands an den Rand einer prekären finanziellen Situation zwingt
  • eine seit 2018 stagnierende und nicht in Schwung kommende Wirtschaft, die unter den allseits benannten Problemen leidet – unter anderem Bürokratie, Energie, Fachkräfte
  • das desaströse Bildungsniveau der Schüler in allgemeinbildenden Schulen mit bedenklichen Schwächen in Lesen, Schreiben, Rechnen
  • die zunehmende gesellschaftliche Spaltung entlang der politischen Polarisierung hin zu neuen linken und rechten Mehrheiten abseits der klassischen Mitte
  • der unaufhaltsame Zerfall der Infrastruktur – Bahn, Straßen, Brücken, Wohnungsbau – der mit Geld allein nicht behoben werden kann
  • die weitgehend gescheiterte Migrationspolitik, die zu enormen gesellschaftlichen Spannungen führt und Kosten verursacht, über die niemand spricht
  • der gescheiterte deutsche Sonderweg der grünen Energie aus Wasser, Wind und Sonne, der weder eine verlässliche Energieproduktion gewährleistet noch günstig ist
  • überbordende Steuern und Abgaben für die Bürger ohne erkennbare Gegenleistung bei einer Staatsquote von über 50 Prozent und gleichzeitigen Rekordeinnahmen des Staates
  • ein wirr gewirkter Flickenteppich an Digitalisierung in Behörden und Verwaltungen mit unzähligen losen Enden und überschaubarem Nutzen für die Bürger
  • die Entscheidung für eine historisch zu nennende Rekordverschuldung durch das abgewählte Parlament am 28. November 2025

Jeder weiß, diese Liste lässt sich problemlos fortsetzen. Die genannten Punkte dienen nur der Illustration der Situation in Deutschland. Zu all den voranstehenden Beispielen will niemand Gründe als Antwort hören. Wir Betriebswirtschaftler wissen: Wer etwas nicht will, findet Gründe. Wer etwas will, findet Lösungen. Darum geht es bei jeder Situation, die man als unangenehm empfindet und diese verbessern will; am besten dauerhaft mit gleichzeitiger Eliminierung der Ursachen, die in diese Situation geführt haben. Lösungen brauchen Verantwortliche und Verantwortung.

Vernunft

Wir Unternehmensberater sind aufgerufen, nach der Analyse der Situation Lösungswege zu entwickeln. Die als fatal empfundene Situation soll so rasch als möglich beendet werden. Es braucht Entwicklungspfade für neues Handeln. Es braucht Mut, Tatkraft, Geschlossenheit und Expertise der handelnden Akteure. Es braucht das Vertrauen der Betroffenen, dass die zeitlich begrenzten, unvermeidlichen, schmerzhaften Maßnahmen wirken. Auf Deutschland bezogen: es braucht die klare Benennung der Situation. Es braucht eine gute Idee von Zukunft. Es braucht Politiker mit Expertise. Es braucht ein Volk, dass all dem Vertrauen schenkt und den Weg mitgeht. Und es braucht Vernunft.

Das furchtbare ist, die Vernunft verschwindet in dem Maße, wie die Kritik an ihr eingeschränkt, tabuisiert, in enge Bahnen gezurrt wird. In einfacher Sprache: ohne Kritik wird man dümmer. Der Möglichkeitsraum für bessere Lösungen löst sich auf. Weitere Einschränkungen der Kritik sind zwingend geboten, um das bisherige System zu stabilisieren. Und so beginnt sich die Spirale des Niedergangs munter abwärts zu drehen. Anbei nur zwei diesen Zusammenhang  illustrierende Mantren der letzten Jahre: „Unite behind the science – Vereint euch hinter der Wissenschaft“ und „Alternativlos“. Wissenschaft ist kein Glaubensbekenntnis und Alternativen gibt es immer.

Wirklichkeit

Das Leben findet immer innerhalb von Tatsachen statt: an der Tankstelle, beim Einkaufen, beim Blick auf die Gehaltsabrechnung, bei den Nebenkosten des Wohnens, beim Italiener um die Ecke, beim Hausarzt, in der Autowerkstatt, im ICE nach Hamburg, in der S-Bahn in Berlin, auf dem Schulhof, im Freibad … diese Tatsachen formen die Wirklichkeit. In dieser Wirklichkeit empfinden viele Bürger ihr Leben in Deutschland nicht mehr als gut. Die Wahrheitserzählung steht dem entgegen. Das Motto, „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ kontrastiert doch erheblich mit der empfundenen Lebenswirklichkeit.

Angenommen, wir sind mit der Situation nicht zufrieden, wir würden diese gar als Desaster bezeichnen, dann würde sich daraus ein Handlungsauftrag ableiten, diese Situation zu heilen und zu verbessern. Nur als Beispiel: Wenn der Krieg in der Ukraine seit über vier Jahren tobt mit unzähligen Toten, grauenhaften Verbrechen und unfasslichen Zerstörungen und die bisherige Strategie hat keinerlei Wirkung erzeugt im Sinne von Frieden oder mindestens einem Waffenstillstand, dann ist diese Strategie falsch. Die bisherige Strategie der Unterstützung der Ukraine ist vollständig gescheitert. Wie viele Tote mehr ist man bereit zu akzeptieren, bis man die Strategie überdenkt und endlich aktiv eine Friedensmission vorantreibt?

Gründe

Jetzt kommen die Gründe ins Spiel, diese sind schnell aufgezählt: Donald Trump ist verrückt. Wladimir Putin ist böse. Der Krieg der USA mit dem Iran verteuert die Energie. Die Ukraine (früher Afghanistan) verteidigt unsere Freiheit. Wir sind Teil der EU – die Europäische Union handelt multilateral. Das Mobiltelefon zerfetzt die Gehirne unserer Kinder. Der demografische Wandel ist für die Schieflage der Pflege verantwortlich. Social-Media verführt die Menschen ideologisch. Der Klimawandel ist unaufhaltsam. Die KI frisst die Arbeitsplätze. Die Rohstoffe aus China sind teuer, deren Produkte billig und zunehmend besser als unsere.

Gründe brauchen Schuldige, zum Beispiel Donald T. und Wladimir P.. Schuldig sind auch die Bürger, die massenweise zu Extremisten mutieren und von der SPD zur AfD wandern. Die Erzählung will es, dass sich im Gewand einer straff konservativen Partei die NSDAP verbirgt – die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Die AfD mag vieles sein, aber sie ist garantiert nicht sozialistisch. Unter Umständen ist die AfD in Teilen etatistisch, doch das ist ein anderes Thema.

Wer etwas nicht will, findet Gründe. Wer etwas will, findet Lösungen. Darum geht es bei jeder Situation, die man als unangenehm empfindet und diese verbessern will; am besten dauerhaft mit gleichzeitiger Eliminierung der Ursachen, die in diese Situation geführt haben. Lösungen brauchen Verantwortliche und Verantwortung.

Komplexität

Situationen sind meist menschengemacht – ausgenommen Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge und Tsunamis. Jede Situation entwickelt eine exponentielle Eigendynamik – zum Beispiel ein Feuer im trockenen Sommerwald – wenn dieses nicht frühzeitig bekämpft, eingedämmt und gelöscht wird. Brennt ein ganzer Landstrich, wird die Situation komplex, weil neue Faktoren hinzutreten. Jetzt muss auch die Evakuierung von Menschen gemanagt werden, die Einsatzkräfte müssen koordiniert werden, ausländische Hilfe muss angefordert werden.

Komplexität als Folge menschengemachter Situationen entsteht aus unterkomplexem Verhalten. Sei es, dass man zu spät, zu zaghaft, nicht oder falsch agiert. Das liegt meist an der Unterkomplexität der Akteure. Und es liegt an der Begleitmusik. In unserem Fall zum Beispiel der öffentliche Rundfunk, der die Situation in Deutschland verzerrt, unvollständig oder gar nicht berichtet, immer die gleichen Experten fragt und die Perspektiven einengt. Wer sein Okular nur nach links richtet, sieht nur links.

Links

Wer nur ein Wörterbuch mit linken Perspektiven aufschlägt, findet immer die gleichen Worte wie Enteignung, Vergesellschaftung, ACAB, Diskriminierung, Extremismus, muslimischer Rassismus, toxische Männlichkeit, from the river to the sea, Postkolonialismus, Wokeness, Gendergerechtigkeit, Ausbeutung, alter weißer Mann, leichte Sprache, LGTBQ+beliebig hinzuzufügende Großbuchstaben und ganz frisch aus der Druckerpresse: antifaschistische Wirtschaftspolitik. Diese Wortschöpfung erinnert mich an die betriebswirtschaftliche Fachliteratur der DDR mit ihrem Standardwerk: Sozialistische Betriebswirtschaft. Wie wäre es, noch tiefer in der Mottenkiste zu grabbeln und das Buch „Die Erziehung zum sozialistischen Menschen am Beispiel der DDR“ neu zu entdecken?

Begleitmusik

Die Partitur der Begleitmusik enthält Anweisungen für die Akteure. Sie lauten Haltung, Brandmauer, „mit denen rede ich nicht“, „Nazi“ (ohne die Wortergänzung „ionalsozialist“), Unsere Demokratie und jetzt neu: Vulgärdemokratie. Als gäbe es eine übergeordnete, erhabene Demokratie mit der Pflicht zur Verteidigung der wahren Demokratie, die nicht zwingend die Wahlentscheidung der relativen Mehrheit des Volkes respektieren muss. In den Generalpausen schlummern die Tabus – das nicht Sagbare – zum Beispiel aus der Religion entspringende kulturelle Gepflogenheiten und Denkmuster von zugezogenen Neubürgern, die dem Umgang mit Frauen oder mit Juden dem gesellschaftlichen Miteinander zumindest eine fragwürdige, zumeist eine jenseits unserer im Grundgesetz verankerten Würde des Menschen wohnende Buntheit hinzufügen.

Versagen

Kurz gesagt: die seit 2015 handelnden Akteure im Bund, namentlich die Politiker aus CDU, CSU, SPD, GRÜNE und FDP haben vom Ergebnis ihres Handelns her in jedem Politikfeld nahezu vollständig versagt. Der Beweis des Versagens sei auszugsweise an den oben genannten Punkt geführt.

Deutschland hat die USA unter Donald Trump als Freund und Partner verloren. Es wäre ein leichtes gewesen, mit ihm und vielen deutschstämmigen und Deutschland freundschaftlich verbundenen Amerikanern mit Macht und Einfluss – zum Beispiel Peter Thiel und Alex Karp – eine herausragend profitable Beziehung für beide Seiten zu entwickeln.

Deutschland hat jeden Kontakt zu Wladimir Putin abgebrochen in dem Wissen, dass nach dem Krieg in der Ukraine der Frieden in Europa nur mit Russland gelingen kann. Wie oft hat unser Bundeskanzler F.M. persönlich mit W.P. gesprochen? Exakt Null mal. Für Deutschland als mürbe Mittelmacht muss gelten: Es geht um Interessen, nicht um Moral. Es geht um Machbarkeit und Vernunft. Es geht um die Sicherung von Ressourcen und geopolitischer Stabilität für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Fragen

Wann endlich werden die Steuern und Abgaben auf Benzin, Diesel und Lebensmittel drastisch gesenkt? Es wäre auch ein guter Einstieg in eine dringend notwendige Fastenkur des Staates. Wer heilfastet, weiß: es beginnt immer mit einem Einlauf. In der Betriebswirtschaft gilt das Prinzip „Führen durch Vorbild“. In diesem Sinne möge der Staat mit dem Sparen bei sich selbst anfangen.

Wann endlich verlassen wir das Ende der globalen Nahrungskette als Konsumenten von Billigprodukten und beleben das deutsche Erfolgsmodell mit der Mischung aus qualifizierten Arbeitskräften (Handwerker, Facharbeiter, Ingenieure), wertschöpfendem Mittelstand und weltweit begehrten Sehnsuchtsprodukten wieder? Wenn die tragenden Säulen – Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie, exportorientiertes Handwerk – schrumpfen oder durch Insolvenzen wegbrechen, kann dieser Verlust unmöglich dadurch ausgeglichen werden, dass in Deutschland Pakete mit importierter Ware an die Haustür geliefert werden.

Wann schaffen wir in Deutschland einen eigenen intellektuellen und technologischen Backbone für die KI? Deutschland ist im Digitalbereich zu 90 Prozent von den USA abhängig. Wenn uns die USA den KI-Hahn zudrehen, dann schauen wir mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Deutschland hat keine Chips wie Nvidia, AMD oder Intel. Deutschland hat keine Cloud wie Microsoft (Azure), Amazon (AWS) oder die Google Cloud. Deutschland arbeitet im KI-Bereich mit einem geliehenen Gehirn, zum Beispiel mit OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) oder Anthropic (Claude). Hier wäre staatliches Risikokapital in der Tat sinnvoll eingesetzt.

Wann endlich endet die desaströse Bildungspolitik? Wann begreifen und benennen wir die Ursachen der Bildungskatastrophe? Zum Beispiel der Verzicht auf Leistung und den Stolz auf Erfolg. Die Vermischung von Bildungsauftrag und Erziehungsanspruch. Die Bereicherung der Schülerschaft mit der deutschen Sprache unkundigen Schülern. Der Vermittlung von Wissen und Können als etwas begehrenswertes. Der Lust an Anstrengung und dem Meistern von Herausforderungen.

Wann endlich verlassen wir das Paradigma „Unserer Demokratie“ und beenden die Dämonisierung zum Beispiel der AfD? Das neue Motto könnte lauten: „Entzaubern durch operative Verantwortung “. Dieser zutiefst rationale, staatspolitische Ansatz, zum Beispiel die in Skandinavien seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierten Minderheitsregierungen, mag uns als Vorbild dienen. Dafür braucht es den Mut der politischen Akteure, demokratisch gewählte Parteien in die konstruktive Arbeit einzubinden und sie in die Realität zu zwingen – oder selbst neue Realitäten anzuerkennen.

Tatsache ist: das bisherige Handeln der politischen Akteure führte ja eher zu suboptimalen Ergebnissen. Wie wäre es mit Substanz statt Leerformeln? Wie wäre es mit einer an der Sache orientierten Politik einer Minderheitsregierung? Wie wäre es, die jeweils größten Anteile der Wahlentscheidungen so lange aufzuaddieren, bis mehr als 50 Prozent erreicht sind – und diese Parteien koalieren dann miteinander? Wo ist das Zutrauen in die eigene Gestaltungsmacht? Wo ist das Vertrauen in die Bürger?

Wann endlich wird die Infrastruktur in Deutschland saniert – und zwar flott? Häuser, Brücken, Straßen, Bahn, Wohnungen und all das sind gelernte Disziplinen, die weltweit mit hoher Kunstfertigkeit und effizienter Logistik beherrscht werden, warum nicht in Deutschland? Der sogenannte Deutschlandtakt der Deutschen Bahn bis ins Jahr 2070 ist kein Zukunftsprojekt, es ist eine Bankrotterklärung. Wie lange noch werden Schüler in maroden Schulen lernen müssen? Und weiter gefragt: was werden Schüler über Deutschland lernen, wenn sie in maroden Schulen zu Bürgern heranreifen? Werden sie dieses Deutschland als ihr Land in ihr Herz schließen?

Wann endlich beginnt der sachbezogene Diskurs über die erkennbar gescheiterte Migrationspolitik? Sprechen wir endlich ehrlich über Bildung, Kriminalität, Menschenbild, soziale Kosten, finanzielle Lasten, Herkunftskultur. Entwickeln wir endlich eine Strategie für die Integration, die funktioniert.

Wann endlich beginnt der sachbezogene Diskurs über die erkennbar gescheiterte Energiepolitik? Wasser, Wind und Sonne sind super. Atomenergie und Gas auch – zumindest so lange, bis es endlich bessere technologische Lösungen gibt. Damit zusammenhängend ist jede offene Diskussion über Energieunabhängigkeit inklusive dem klugen Einsatz der Energie sehr hilfreich. Energie muss billig, verfügbar und verlässlich sein, sonst ist Schicht mit Deutschland als Industrienation.

Über Sparen zu reden ist wohlfeil, so lange der Staat mit Rekordeinnahmen immer mehr Steuergeld benötigt, um sich selbst zu erhalten. Wann endlich beginnt der Staat, substanziell zu sparen? Damit verbunden entstünde die Chance, die Bürger und Unternehmen wieder in Freiheit zu entlassen.

Digitalisierung ist nicht schwer, frage den Ingenieur. Oder fragen wir das befreundete Ausland und lernen von den Besten. Im Geiste Humboldts könnte Deutschland lernen von Dänemark, Finnland, Schweden. Von den Niederlanden, Estland und Lettland – von  kleinen und großen Ländern. Was bitte ist daran so schwer, von den Besten zu lernen und dieses Wissen in die Tat umzusetzen?

Gedankenspiel

Angenommen, Deutschland wäre ein als Genossenschaft organisiertes Unternehmen. Das Urprinzip der Genossenschaft kennt jeder: Einer für alle, alle für einen. Dieses Prinzip ist schön. Es vereint Tatkraft, Solidarität, Selbsthilfe, Selbstverwaltung und gemeinsame Verantwortung miteinander. Jedes Mitglied der Genossenschaft hält Anteile an dieser, manche Bürger weniger, manche mehr Anteile. Doch unabhängig von der Einlage gilt: Ein Mitglied, eine Stimme. Das ist auch sehr schön. Jedes Mitglied kann in der Generalversammlung über die zukünftige Strategie der Genossenschaft mitentscheiden. Entschieden wird nach den demokratischen Prinzipien der Mehrheit. In der Generalversammlung wird auch über den Vorstand entschieden, dieser wird regelmäßig entlastet. Das bedeutet: Der Vorstand wird an seinen Taten gemessen.

Die Genossenschaft befindet sich seit Jahren in Schieflage. Der Produktionsbetrieb ächzt. Der Druck des Wettbewerbs wächst. Innovationen sind Mangelware. Die Verwaltung ufert aus. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Reparaturen dauern ewig. Die Leistungsfähigkeit sinkt. Die rasch  zunehmende Zahl unzufriedener Mitglieder wird übergangen. Zum Schutz des Status-Quo wird eine Brandmauer errichtet. Die Beziehungen zu den Geschäftspartnern sind schlecht. Viele Leistungsträger kündigen ihre Mitgliedschaft. Neue Mitglieder kommen hinzu, die zwar keine Genossenschaftsanteile kaufen, aber Leistungen der Genossenschaft abrufen. Neue Sprachregelungen der PR-Abteilung erzeugen neuen Unmut. Der Vorstand maßregelt die Mitglieder. Er verliert massiv an Autorität, er verliert das Vertrauen der Mitglieder.

In höchster Not engagiert man einen Unternehmensberater. Er darf sagen was ist. Er darf out-of-the-box denken. Das Ergebnis: Der Vorstand ist unfähig. Er wird nicht entlastet. Der neue Vorstand wird aus den Mitgliedern heraus rekrutiert. Jeder neue Bewerber in den Vorstand muss ein konkretes Zukunftskonzept vorlegen, dass ausschließlich der Genossenschaft und seiner Ursprungsidee dient.

Dysfunktionale Strukturen müssen weg, sofort. Es folgt eine Radikalkur, um das systemische Versagen zu beenden. Die Radikalkur folgt dem Prinzip des „Zero-Base-Budgeting“. Wir setzen die Genossenschaft gedanklich radikal auf null, um den wuchernden bürokratischen Wasserkopf überhaupt wieder steuerbar zu machen. Das Ziel resultiert aus vielen Vergleichsstudien anderer kollabierender Genossenschaften: Mindestens 50 Prozent der Abteilungen und Verwaltung sind überflüssig, sie erwirtschaften keinen Erfolgsbeitrag. Ebenso werden 50 Prozent der innerbetrieblichen Bürokratie abgeschafft.

Jedes Handeln wird an seiner konkreten Wirkung gemessen, mit Kennzahlen, anhand von Benchmarks. Produktivität zählt. Als Fehler erkanntes Handeln wird nicht fortgeführt und als Lernfeld erkannt. Soziale Leistungen werden auf die Mitglieder beschränkt. Damit werden dringend benötigte Mittel frei – Personal und Kapital.

Ein neues Leitbild beschreibt die gemeinsam angestrebte Zukunft in Bezug zum wirtschaftlichen Kerngeschäft unter Einbezug seiner Zukunftspotentiale. Schlüsselpartnerschaften werden aktiv gepflegt. Die Wertschöpfungstiefe wird ausgebaut. Resiliente Strukturen haben Vorrang vor Abhängigkeiten. Der offene, konstruktive Diskurs, jede auf bessere Lösungen hin gerichtete Kritik ist ausdrücklich erwünscht. Sachargumente zählen.


Unsere Expertise für Kommunen

Die nachhaltige Kommune – Gestaltungsmacht nutzen

Die nachhaltige Kommune – Die Dokumentation

Sprechen sie uns gerne an, Ihre

Anja Theßenvitz und Stefan Theßenvitz