Schlagwort: Opportunitätskosten

Mehr Denken wagen: Von der Idee zum Zukunftsentwurf

Eine kleine Denkschule aus betriebswirtschaftlicher Sicht für neue Antworten für neue Herausforderungen.

In der Unternehmensberatung denken wir gerne in Bezug auf etwas. Zum Beispiel in Bezug auf einen Sachstand, in Bezug auf ein erstrebenswertes Ergebnis. Denken ohne Bezug ist ein hilfloses Herumtappen im Nebel, es generiert höchstens zufällige Verbesserungen, Fortschritt nie. Bezüge richten sich auch auf Vergleiche, diese richten sich nach innen und nach außen. Vergleiche sind möglich als Größenverhältnisse, als Kennzahlen, als Zeitreihen.

Unternehmensberatung bezieht sich auf die Wirklichkeit. Wirklichkeit entsteht aus dem Zusammenwirken vieler Faktoren, die sowohl aus sich heraus als auch in Bezügen zueinander dynamisch interagieren. Menschen in der Unternehmensberatung operationalisieren Wirklichkeit. Dafür nutzen wir die Deduktion und die Reduktion; für die Analyse, ein praktikables Verständnis der Gegenwart und für die Ableitung von Handlungen für eine gewünschte Zukunft.

Vom Ende her denken

Vom Ende her denken bezieht sich auf die Gegenwart. In der Analyse der Gegenwart erkennen wir, was ist. Zum Beispiel Deutschland im Herbst 2026 in Bezug zum politischen Wirken. Die politische Dimension deshalb, weil Politik der entscheidende Akteur ist, der am System arbeitet, alle anderen Akteure arbeiten im System.

Der Sachstand 2026 [1]: Historische Verschuldung bei gleichzeitigem Allzeithoch der Steuereinnahmen. Über 50 Prozent Staatsquote. Deutlich sinkende Schülerleistungen im internationalen PISA-Vergleich seit 2015. Hohe Energiekosten, Steuern und Abgaben. Anhaltende Investitionszurückhaltung in vielen Unternehmen. Hohe Sozialausgaben. Hohe Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland. Ausgeprägte gesellschaftliche Polarisierung und verbreitete Wahrnehmung gesellschaftlicher Spaltung. Systematische politische Ausgrenzung der größten Oppositionspartei und wiederholte Nichtwahl ihrer Kandidaten in parlamentarische Leitungs- und Gremienfunktionen. Geringes Vertrauen in politische Institutionen und erhebliche Vertrauensprobleme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Teilen der Bevölkerung. Andauernder russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine. Belastete transatlantische Beziehungen und wachsende wirtschaftliche und geopolitische Spannungen mit wichtigen außereuropäischen Staaten. Weitgehender Abbruch der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit mit Russland.

Vom Ende her gedacht ist dieses Ergebnis der politischen Arbeit kaum das, was sich die Bürger von ihren gewählten politischen Vertretern erhofft haben.

Von der Idee her denken

Von der Idee her denken bezieht sich auf die Zukunft. In der konkreten Vorstellung von Zukunft erkennen wir, was sein kann. Die konkrete Vorstellung von Zukunft ist die Grundbedingung für deren zukünftige Vergegenwärtigung. Aus der konkreten Vorstellung entspringt die Kraft, diese Zukunft anstreben zu wollen. Zum Beispiel USA und China im Herbst 2026: Beide Nationen haben eine klare Vorstellung von Zukunft. Sie streben die technologische, wirtschaftliche und militärische Dominanz an. Dafür verfolgen Sie Interessen, auch mit Partnerschaften, die ihren Interessen dienen. Und Deutschland? Nach was streben wir? Wo ist unsere große, verbindende Idee? Wo sind unsere Interessen? Wo sind unsere Partner?

Eine mögliche Idee für Deutschland in Bezug zur Politik als dem entscheidenden Akteur, der am System arbeitet: Ein ausgeglichener Haushalt bei stark reduzierten Steuereinnahmen. Ein schlanker, hocheffizienter und leistungsstarker Staat. Bestnoten im internationalen PISA-Vergleich. Weltweit die günstigsten Energiekosten, Steuern und Abgaben. Massive Investitionen technologiegetriebener Unternehmen. Geringe Sozialausgaben. Geringe Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland. Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch demokratische Willensbildung im konstruktiven politischen Streit aller Parteien um bessere Lösungen. Hohes Vertrauen in staatliche Institutionen und den ÖRR. Frieden in Europa. Sehr gute Beziehungen mit den USA, China, Russland, idealerweise mit der ganzen Welt. – kurz: von der Idee her gedacht ist dieses Ergebnis der politischen Arbeit eines, das sich die Bürger als Ergebnis ihrer Wahlen wünschen.

Ideen spinnen

Das Spinnen von Ideen führt häufig zur Zuschreibung, man sei ein Spinner. Doch ohne spinnen entstehen keine Idee. Die Gegenwart dient den Spinnern als Ort, den es zu verlassen gilt, um in der Zukunft eine bessere Gegenwart zu gestalten. Findet ein im Gedankenstrom fließender Spinnfaden Halt, bildet er den ersten Bezugspunkt einer Idee. Diese bildet den Ausgangs- und Knotenpunkt für weitere Ideen.

Daraus entsteht ein Netz miteinander verbundener Ideen. Diese Ideen stehen in einer inneren Beziehung zueinander, sie formen nach und nach das Netz der miteinander verknüpften Ideen. Das Ideen-Netz dient der ersten Architekturzeichnung der Zukunft. Es dient der Definition eines neuen Ganzen und seiner Systemgrenzen. Implizit definiert es auch, was in der Zukunft keinen Platz mehr hat und keine Ressourcen bindet. Das Ideen-Netz ist ein idealer Ort. Der Ort besteht aus Begriffen, die der Anschauung dienen.

Ziele formulieren

Ein gutes Ideen-Netz formt ein Ziel. Jedes gute Ziel definiert einen Zukunftsentwurf, der so weit über die Gegenwart hinausreicht, als dieser mit den jetzigen Mitteln nicht erreicht werden kann. Vor allem daran erkennt man ein gutes Ziel: Es braucht Mut zur Veränderung und Mut, die Gegenwart loszulassen. Gute Ziele sind einfach und klar, dann strahlen sie und entfachen die Kraft, die es braucht, um diese Ziele erreichen zu wollen.

Als Beispiel: Deutschland ist im Jahr 2030 das Sehnsuchtsland der westlichen Welt in Bezug zu Wohlstand und Wohlfahrt, Freiheit und Frieden. Aus Zielen entstehen Aufgaben. Aufgaben sind operationalisierte Ziele. Jetzt kann die Arbeit an der Zukunft beginnen. Im Grunde ist es egal, wo man anfängt, Zukunft zu gestalten. Denn alles hängt mit allem zusammen.

Einfach machen

Als Arbeitshypothese könnte man mit der massiven Reduzierung der Staatsausgaben beginnen. Weil die Staatsausgaben vielfach in keinem angemessenen Verhältnis zu den erbrachten Leistungen und den erzielten Wirkungen stehen. In auszugsweisen Stichpunkten seien genannt: Gesundheit, Infrastruktur, Bildung, Rente, Digitalisierung, Wohnungsbau. Deshalb beginnen wir mit 50 Prozent weniger Ministerien, Behörden und Ämtern. 50 Prozent weniger Beamte und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. 50 Prozent weniger Subventionen, Fördermittel und Entwicklungshilfe. 50 Prozent weniger Steuern und Abgaben. 50 Prozent weniger Regelungen, Paragraphen und Vorschriften. Der Grundsatz muss lauten: Jede staatliche Struktur, jede staatliche Intervention muss ihre Existenz aus ihrer Wirkung rechtfertigen.

Ausmisten und Sparen sind immer die ersten Maßnahmen jeder Generalsanierung. So wird der Neustart jeder Unternehmung leichter. Als Erfahrungswert aus der Unternehmensberatung kommt hinzu, dass in einem etablierten System mindestens 30 Prozent der Arbeitszeit und Arbeitsabläufe selbstreferenzieller Natur sind. Jedes System strebt nach Ausdehnung – unabhängig von seinem zu erfüllenden Zweck. Auf Deutschland und seinen seit Jahrzehnten gewachsenen Systemen können wir getrost von 50 Prozent Rückschnitt ausgehen ohne Gefährdung des gesunden Kerns – sofern noch vorhanden.

Es sind die Kosten, Dummchen

Ausmisten und Sparen sollte bei den Verursachern der Ausgaben beginnen. Das wäre zuvorderst ein Gebot des Anstandes seitens der Ausrufer von Sparappellen und sonstigen Deklamationen an die Bürgerschaft. Es würde die Glaubwürdigkeit des staatlichen Handelns stark erhöhen und gleichzeitig die Bereitschaft in der Bürgerschaft begünstigen, gemeinsam am gleichen Strang in die gleiche Richtung zu ziehen. Würden die eingesparten Ausgaben umstandslos in Steuersenkungen fließen, würde die niederdrückende Last der Steuern und Abgaben von den Unternehmen und Bürgern genommen, dann wäre das der Aufbruch in eine kraftvolle, neue, von Zuversicht getragene Zeit in bürgerlicher Selbstbestimmung und Freiheit.

In der Unternehmensberatung rechnet man nicht nur in Kosten, ich zumindest rechne immer auch mit Opportunitätskosten. Was kostet es, wenn ich es unterlasse? Was kostet es Deutschland, nichts zu unternehmen? Was kostet die erodierende Wirtschaftsbasis? Was kostet der schwindende gesellschaftliche Konsens? Was kostet es, keine Idee von Zukunft zu haben?

Frucht- und möglicherweise furchtbare Fragen

Die erwartbaren Gegenargumente gegen die vorliegende Gedankenspinnerei werden vermutlich mit Kahlschlag, Kollaps und Chaos überschrieben werden. Es wird der Hammer sausen, der nur Nägel kennt. Meine Gegenfragen mögen als Einstieg in eine möglicherweise fruchtbare Diskussion münden.

Ist die Wiederherstellung einer verschwundenen Vergangenheit ein gutes Ziel?  Ist die voranschreitende Schwäche Deutschlands ein guter Ausgangspunkt für interessensgeleitete internationale Partnerschaften auf Augenhöhe? Führt die Hinzunahme neuer Steuern dazu, den Staatshaushalt nachhaltig zu stabilisieren? Erhöht das dauerhafte Ausgrenzen von Teilen der Opposition das Vertrauen in die Demokratie? Verbessert sich die Leistungsfähigkeit des Staates, wenn immer mehr Geld in konsumtive Sozialleistungen fließt? Begünstigt die Schuldenaufnahme für den Sozialstaat und die Aufrüstung eine stabile und sichere Zukunft der nächsten Generation? Schaffen wir in der Fortführung der bisherigen Bildungspolitik bessere Zukunftschancen für die Jugend in Deutschland? Begünstigt die Fortführung der Außen- und Handelspolitik Frieden und Wohlstand?

Sind wirklich immer die anderen schuld, wenn es in Deutschland knirscht, ächzt und kracht? Wer ist für die Geschicke unseres Landes verantwortlich?


Lesetipp

Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Politik


Quellen zum Sachstand in Deutschland im Herbst 2026

  1. Staatsverschuldung und Steuereinnahmen
  1. Staatsquote über 50 Prozent
  1. Sinkende PISA-Ergebnisse
  1. Energiekosten, Steuern und Abgaben
  1. Investitionszurückhaltung der Unternehmen
  1. Hohe Sozialausgaben
  1. Energieimportabhängigkeit
  1. Gesellschaftliche Polarisierung und Spaltung
  1. Politische Ausgrenzung der größten Oppositionspartei
  1. Vertrauen in politische Institutionen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
  1. Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine
  1. Beziehungen zu den USA und zu wichtigen außereuropäischen Staaten
  1. Weitgehender Abbruch der Zusammenarbeit mit Russland

[1] Die Quellen zum Sachstand in Deutschland im Herbst 2026 finden Sie am Ende des Artikels beigestellt

 

Die Bewertung öffentlicher Güter mit der CVM – Contingent Valuation Method

Öffentliche Einrichtungen – z.B. Bibliotheken, Volkshochschulen, Theater, Philharmonien, Schullandheime, Museen, Krankenhäuser – stehen immer wieder vor der Herausforderungen, sich für ihre Existenz und ihr Wirken rechtfertigen zu müssen. Gerade in Zeiten knapper Kassen und düsteren Prognosen wollen viele Kommunen den Gürtel enger schnallen und prüfen minutiös, was sich denn einsparen ließe.

Vor allem in strukturschwachen Regionen wird so dauerhaft gesellschaftliches Kapital und Potenzial vernichtet. Der eindimensionale Ansatz des rigiden Kostensparens schafft unheilbare Verwüstungen in den Regionen. Das Gefühl sagt: was weg ist, ist weg und dieses öffentliche Gut wiederherzustellen wird um ein Vielfaches teurer als das bestehende Gut weiterzuentwickeln.

Ich wurde schon oft gefragt, wie man denn ultimativ Kosten sparen könne. Meine Antwort: „mach den Laden zu“. Diese provokative Antwort macht eines klar. Es ist sinnlos, nur auf die Kosten zu starren. Wir brauchen einen umfassenden Blick auf unsere öffentlichen Güter, um deren Wert sinnvoll zu erfassen.

Verstehen Sie mich richtig. Marode, nutzlose und einfaltslos gemanagte Einrichtungen sind mir ein Gräuel. Ich bin ein Freund effizienter Strukturen und Prozesse, ich liebe eine hohe Auslastung (Produktivität) und die substanzielle Weiterentwicklung bestehender öffentlicher Güter an die Bedürfnisse der Zeit.

Die CVM – Contingent Valuation Method ist insbesondere interessant für Institutionen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Wissenschaft und Umwelt. Die CVM misst den Wert und Nutzen öffentlicher Güter an Hand einer konkreten Zahlungsbereitschaft. Die Zahlungsbereitschaft bezieht sich gleichermaßen auf den unmittelbaren Gebrauchswert wie auf mittelbare Nichtgebrauchswerte – den Optionswert, den Existenzwert und den Vermächtniswert. Damit erhalten Sie Antworten aus vier Perspektiven über den Nutzen und den Wert Ihrer Institution für jeden Einzelnen und die Gesellschaft.

Die Akzeptanz der CVM in der Bevölkerung und auf politischer Ebene wird durch den Megatrend Value for Money begünstigt: immer mehr Bürger stellen an öffentliche Güter und Dienstleistungen die Fragen:

  • Was habe ich davon?
  • Was bringt es mir?
  • Was nützt es der Gesellschaft?
  • Kann man das Geld in alternative Lösungen investieren – für einen höheren oder besseren Nutzen?
  • Was ist Wohlstand – persönlich und gesellschaftlich?

Mit der CVM stellen Sie Waffengleichheit her und argumentieren systemkonform – in gelernten und akzeptierten Bewertungsmustern. Die CVM bedient sich anerkannter betriebswirtschaftlicher Verfahren, den ökonomischen Wert von Gütern, Produkten und Dienstleistungen zu ermitteln. Die CVM überträgt diese Logik auf öffentliche Güter.

Die CVM verfügt über ein hohes Aufmerksamkeitspotenzial. Mit der Durchführung der CVM muss der Wille verbunden sein, diese Ergebnisse öffentlichkeitswirksam in den Diskurs einzuspeisen, aktiv damit zu werben und das Gespräch, insbesondere mit den Stakeholdern bzw. relevanten Beziehungspartner zu suchen und zu führen.

Der Nutzen der CVM bemisst sich natürlich aus dem Erkenntnisgewinnung. Doch v.a. bemisst er sich durch die Kraft des Arguments, der kurzfristigen, singulär monetären Perspektive eine überzeugende und beweisbare langfristige und gemeinwohlorientierte Perspektive beizustellen.

Einblick in die Method CVM

Die CVM misst die Zahlungsbereitschaft für existente, mögliche/vorstellbare und (wieder) herstellbare öffentliche Güter. Die Zahlungsbereitschaft bezieht sich gleichermaßen auf den unmittelbaren Wert und mittelbare Werte.

Unmittelbarer Wert

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Gebrauchswert

  • Wie viel Geld investiere ich persönlich in die Nutzung des öffentlichen Gutes?
  • Wie viel Geld ist mir die persönliche Nutzung des öffentlichen Gutes wert?

Gebrauchsnutzen

  • Welchen Nutzen ziehe ich persönlich aus dem öffentlichen Gut (Qualitäten)?
  • Um wie viel % oder € übersteigt mein persönlicher Nutzen meine persönliche Investition (Quantitäten)?

Mittelbare Werte

CVM-Contingent-Valuation-Method-04-mittelbar

Optionswert

  • Wie teuer käme es mich, dieses öffentliche Gut nicht mehr zu haben?
  • Wie viel wäre mir die Schaffung des öffentlichen Gutes wert?

Existenzwert

  • Wie hoch ist der Nutzen des öffentlichen Gutes für mich, auch wenn ich es persönlich nicht nutze?
  • Wie hoch ist der Nutzen des öffentlichen Gutes für die Gesellschaft, auch wenn ich es persönlich nicht nutze?

Vermächtniswert

  • Was fehlt der kommenden Generation, wenn dieses öffentliche Gut nicht existiert?
  • Wie teuer käme es die kommende Generation, wenn dieses öffentliche Gut neu geschaffen werden müsste?

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie eine Untersuchung über den Wert und Nutzen Ihrer Öffentlichen Einrichtungen und Institutionen mit der CVM durchführen wollen. Wir freuen uns auf Ihr Lebenszeichen.

Herzlich willkommen im Club der klaren Denker und kraftvollen Macher,

Ihr Stefan Theßenvitz