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Redaktionelles Portrait eines Kunstglasbläsers

Wir erstellten für einen Kunstglasbläser in Leipzig ein redaktionelles Portrait – als Vorlage für Zeitungen und Zeitschriften, für seine Website und für Facebook. Viel Vergnügen mit dem Portrait!

Gleb Gukajlo, geboren am 24. Juli 1986 in Schymkent, Kasachstan. Ausbildung zum staatlich geprüften Kunstglasbläser von 2009 bis 2012 an der Berufsfachschule Glas in Lauscha (Thüringen). Seit 2019 Leiter der Glasbläserei im WERK 2 – Kulturfabrik Leipzig e.V..

Gleb Gukajlo entdeckte bereits als Kind seine Leidenschaft für das Kunsthandwerk. Besonders faszinierte ihn alles, was sich räumlich erfassen und gestalten lässt, zum Beispiel die Bildhauerei. Seine Mutter förderte seine Neugier und sein künstlerisches Talent und nach der Übersiedelung nach Deutschland 1998 fand Gleb Gukajlo zur Glasbläserei. Oder fand die Glasbläserei ihn? So einfach ist die Geschichte natürlich nicht, denn das Leben hielt viele Überraschungen und Umwege für Gleb Gukajlo bereit bis zur Übernahme der Glasbläserei im WERK 2 – Kulturfabrik Leipzig e.V. in 2019.

Um der bunten Lebensgeschichte des jungen Mannes nachzuspüren, führte Anja Theßenvitz Anfang Juli 2020 ein Interview mit Gleb Gukajlo. Dieses Interview dient zweierlei. Es entwirft ein Bild von einem Mann auf der Suche nach Inhalt und Sinn in seinem Leben und es soll allen jungen Menschen Mut machen, Vertrauen in sich zu fassen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Bereits bei der Begrüßung war klar, Gleb Gukajlo ist außerordentlich sympathisch und zugewandt, so ergab sich sehr schnell das „Du“. Der Kaffee war schon vorbereitet, das Wetter angenehm, so ließ man sich vor der Werkstatt zum Gespräch nieder.

Anja: Wie bist Du darauf gekommen, Glasbläser zu werden?

Gleb: Ich habe schon immer gerne gezeichnet und gemalt und Kilos an Papier umgewälzt. Es hat mir einfach großen Spaß gemacht. Dann wollte ich unbedingt Bildhauer werden. Irgendwie fand ich aber keine offene Tür und Anschluss. Als Aussiedler war es die ersten Jahre schwierig für mich in Deutschland. Eines Tages lief ich in Leipzig Otto Lattermann in die Arme, er gründete 1992 die Glasbläserei-Werkstatt im Werk 2. Die Glasbläserei sprach mich spontan an. Und Feuer fand ich schon immer toll. Ich arbeite gerne mit dreidimensionalen Modellen. Ein wichtiger Teil der Glasbläserei ist es, mit Ton zu arbeiten und damit Modelle zu entwerfen. In der Glasbläserei fand ich alle Elemente, mit denen ich arbeiten wollte.

Anja: Du bist Aussiedler, woher stammst Du denn ursprünglich?

Gleb: Naja, ich bin in Kasachstan geboren. 1998 siedelten wir – Mutti, Schwester, Opa und ich nach Deutschland über. Wir gingen quasi zurück in unsere historische Heimat. Meine Familie Degel stammt aus dem Bayerischen, es gibt sogar ein Dorf Degelberg.

Anja: Bei wem hast Du Dein Handwerk gelernt?

Gleb: In der Glasbläserschule, in der Berufsschule in Lauscha in Thüringen. Während ich dort lernte, wurde die Schule von Grund auf modernisiert. Thüringen hatte viel Geld freigegeben um das Handwerk in Deutschland zu unterstützen. In Deutschland hat es das Handwerk ein bisschen schwer mit der modernen Industrie. Das Handwerk bedarf viel Zeit und Energie. Und es ist natürlich einfacher, etwas schnell am Fließband herzustellen und günstig zu verkaufen. Aber Gott sei Dank lebt das immer weiter und ich bin ganz froh, dass ich meinen Beruf hier ausüben darf.

Anja: Wie ist das bisherige Konzept, was hast Du vor in der Glasbläserei im Werk 2?

Gleb: Mein Auftrag ist Bildung. Leipzig ist Kultur wichtig, denn nicht vom Brot allein lebt der Mensch. Das nimmt man hier ganz ernst. Leipzig war und ist eine Kulturstadt. Mein Auftrag ist es, Menschen das Handwerk der Glasbläserei nahe zu bringen. In meinen Kursen kann jeder Mensch für wenig Geld mit der Glasbläserei ganz praktisch in Berührung kommen.

Anja: Welche Menschen kommen zu Dir?

Gleb: Das sind meistens junge Menschen, auch Kindergartenkinder. Am interessiertesten sind meist junge Erwachsene von 16 bis 20 Jahren. Sie orientieren sich beruflich, sie kommen vorbei und schauen sich das mit großen Augen an. Sie dürfen bei mir auch wirklich alles anfassen, außer es ist heiß oder es sticht. Und sie freuen sich auch. Viele kommen und sagen: „Ich will Künstler werden, ich möchte Glasbläser werden.“ Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen die Glasbläserei spannend finden.

Anja: Es war ja für Dich auch ein langer Weg hierher. Wie war Dein Lebensweg, bis Du hier gelandet bist in der Glasbläserwerkstatt im Werk 2?

Gleb: O.K., (holt Luft) ich hole mal aus. 2009 habe ich die Ausbildung begonnen und 2012 habe ich sie in Lauscha beendet. Da war es sehr einsam und sehr nebelig. Ich wollte nach Leipzig zurück und hoffte, hier etwas zu finden. Ich recherchierte und fand heraus – aha – hier gibt es eine Glasbläserei im Werk 2. Ich stelle mich bei Otto Lattermann vor, das war 2011 in meinem zweiten Lehrjahr. Und der sagte: „Ja, das passt gut. Ich will bald in Rente gehen, ich melde mich bei Dir.“ In 2012 mit meinem Zeugnis in der Tasche und einer Mappe kam ich wieder. „Hallo?“ – „Was willst Du?“ – „Glasbläser werden.“ – „Raus!“ (lacht) Nein, so war das nicht, sie waren mit anderen Dingen beschäftigt und ich habe mich auch nicht ordentlich beworben. Aber – ich habe Otto Lattermann immer wieder besucht in der Zeit.

Auf jeden Fall gab es keinen Zugang für mich hierher und irgendwann habe ich aufgegeben zu warten. Als ich ein paar Jahre später wieder vorbeischaute, sagte Otto Lattermann: „Tut mir leid, ich habe schon einen Auszubildenden eingestellt.“ In den folgenden Jahren arbeitete ich als Kellner und als Bühnenarbeiter auf Festivals, ich war Burgerbrater am Südkreuz in Leipzig und Call-Center-Agent bei PayPal und eBay.

Und dann habe ich gedacht, also nein, ich finde hier keinen Anschluss, ich drehe mich im Hamsterrad und alles kommt nicht richtig in die Gänge. Ich packte meine Sachen und fuhr mit dem Fahrrad nach Griechenland. Meine Wohnung kündigte ich und verschenkte alle meine Sachen.

Unterwegs fing ich an nachzudenken, was ich eigentlich will in meinem Leben.

Und dann plötzlich unter einem Pistazienbaum kam mir die Idee: Gleb, mach‘s einfach, geh zurück und reiß es nochmal richtig. Du willst nicht irgendwo obdachlos enden. Ich fuhr zurück und fing an, anständig zu arbeiten. Mein Schwerpunkt war der Kundendienst. Ich wollte unbedingt auch lernen, richtig mit Geld umzugehen und absolvierte eine Ausbildung bei REWE. Dann arbeitete ich eine Zeitlang als Fotograf, denn ich fotografierte auch leidenschaftlich gerne. Ach ja, und Büroleiter in einem Allianz-Büro war ich auch, aber nur kurz.

Anja: Wie bist Du dann doch noch in das Werk 2 gekommen?

Gleb: Eines Tages rief mich Otto Lattermann an: „So, mein Lieber, jetzt aber!“ Das war im Herbst 2019. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Otto Lattermann lernte mich ein, er zeigte mir alles und drei Monate später stand ich hier alleine als Werkstattleiter und hatte überhaupt keine Ahnung, wo vorne und hinten ist. Keiner konnte mir helfen, sie sagten: „Wir haben hier alle keine Idee. Du bist der Spezialist. Du musst entscheiden: wieviel Material, wieviel Arbeitszeit, welche Angebote …“ Ich übernahm einen Betrieb ohne Anleitung dafür.

Anja: Was bedeutet es Dir, eine eigene Werkstatt zu haben?

Gleb: Das macht mich sehr glücklich. Mein Leben ist sehr sinnvoll erfüllt und ich spüre wirklich die Freiheit der Gestaltung. Ich freue mich, früh aufzustehen, so richtig. Meine Augen machen „Bling“ und ich rase hierher, auch außerhalb der Arbeitszeiten, auch nachts wenn ich etwas erledigen muss.

Die Werkstatt ist mein 24/7-Baby.

Glücklicherweise unterstützen mich meine Kollegen in der Bürokratie. Sonst würde ich unter dem Papierkram komplett untergehen. Ich lerne alles Stück für Stück.

Anja: Gibt es Vorbilder für Dich in der Glasbläserei?

Gleb: In der traditionellen Glasbläserei reproduziert man eher. Man orientiert sich an erfolgreichen Modellen, zum Beispiel die klassischen Christbaumkugeln. Ich orientiere mich an amerikanischen und japanischen Glasbläsern, in beiden Ländern ist das Handwerk stark, es floriert. Mich fasziniert Auguste Rodin, der war zwar kein Glasbläser sondern Bildhauer in Paris. Viele der Figuren von Auguste Rodin sind zerklüftet und in Bewegung, das macht ihn aus. Das ist mein Ideal, ihn habe ich immer im Hinterkopf, wenn ich an einer neuen Figur arbeite.

Anja: Was würdest Du in der Glasbläserei gerne einmal selbst herstellen, was wäre Dein Traumobjekt?

Gleb: Das erste, das mir einfällt ist ein funktionierendes mechanisches Objekt. Wenn ich zum Beispiel an einer Kurbel drehe, dann kommt die Mechanik in dem Glaskörper in Bewegung und erzeugt Töne oder Farbwechsel. Wir haben hier sogar ein Xylofon mit Glasstäben. Glas klingt ja auch sehr schön.

Ich habe auch schon Musikinstrumente geblasen, mit einem Kolben und unten mit einem schönen großen Bauch, um oben rein pfeifen zu können. Je größer der Bauch, desto tiefer der Ton. Dann habe ich verschiedene Fassungen geformt, damit die Luft perfekt drüber streichen kann und sich ganz leicht ein Ton erzeugen lässt. Davon könnte man verschiedene Größen bauen. Der erste Ansatz ist, das richtige Mundstück zu entwickeln.

Mir geht es hier um das Experimentieren, das Kreieren, meine Gedanken in feste Formen zu bringen.

Das ist es, woran ich mich orientiere. Und ich orientiere mich an meinen Besuchern. Der Besucher kommt rein und bringt eine frische Idee mit, das freut mich immer. Ich möchte mich hier nicht so als DER Glasbläser darstellen. Das bin ich nicht, ich empfinde mich immer noch als Student. Die Glasbläserei umfasst so viele Techniken, die muss man sich erarbeiten, sich jeden Tag dransetzen und jeden Tag weitermachen. Glasbläserei ist Training.

Anja: Glasbläser wird man ja nicht einfach so. Du musst doch irgendwann in Deinem Leben jemandem begegnet sein, der Dir diese Idee gegeben hat?

Gleb: Wahrscheinlich war das meine Mutter. Sie hat mir immer geholfen, auch bei den Recherchen, wo ich mich um eine Ausbildung bewerben kann. Irgendwann sind wir dann nach Thüringen gefahren und haben uns das alles angesehen.

Anja: Und dann dachtest Du, die Glasbläserei ist eine gute Idee?

Gleb: Naja, die Ausbilder in Lauscha sind sehr herzliche, sympathische Menschen. Die haben mich sehr, sehr gut aufgenommen und sie sagten: „Mensch, Gleb, wir stellen Dich ein. Wir möchten, dass Du hier anfängst und das war für mich so Wow.

Anja: Und wie geht es weiter, was kommt für Dich als nächstes?

Gleb: Ich möchte hier irgendwann einen Ofen stehen haben, einen kleinen Hafenofen, an dem man mit einer Glaspfeife arbeiten kann.

Die Menschen denken: „Ah, Glasbläser, da steht doch dieser muskulöse Typ, der mit der Metallglaspfeife hantiert, da muss man doch eine Lunge haben wie ein Bär.“

Und da möchte ich die Menschen nicht enttäuschen. Das möchte ich ihnen hier zur Verfügung stellen, dass man das auch hier erleben kann. Mit einem Hafenofen kann ich dann auch selber Glasgemenge anmischen oder einfach Glasflaschen zusammenschmelzen und daraus etwas formen. Momentan habe ich keine Möglichkeit, selber große Stäbe oder Röhren herzustellen.

Anja: Wenn ich zu Dir in die Werkstatt komme, dann …

Gleb: … kannst Du Dich in der Werkstatt informieren, Du kannst ausprobieren, Du kannst mitmachen, Du kannst selber was machen, Du kannst hier auch ein Praktikum machen, Du kannst Deine bearbeiteten Glasobjekte mit nach Hause nehmen. Und die Teilnahmegebühren werden von der Stadt bezuschusst, so dass jeder kommen kann, der Lust hat.

Besonders in den Ferien kommen viele Menschen. Meine Werkstatt ist im Ferienpass der Stadt Leipzig gelistet. Mit dem Ferienpass kannst Du überall hingehen kann und natürlich Rabatte bekommen – satte Rabatte (lacht).

Anja: Gibt es dann feste Termine, ist es ein Workshop?

Gleb: Man kann die Werkstatt einfach besuchen von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Ich empfehle, einen Termin zu vereinbaren. Besonders für die Ferienzeiten wird ein sehr straffer Zeitplan aufgestellt, wo ein Kind oder ein Interessierter ca. 20 Minuten Zeit hat, um am Brenner zu sitzen. Danach ist man als Anfänger sowieso erschöpft. Nach 20 Minuten hat man auch schon was Schönes, das man mit nach Hause nehmen kann.

Anja: Wie kann ich mir den Arbeitsablauf vorstellen?

Gleb: Bei den meisten Menschen ist es so: Sie kommen hier herein und haben erstmal Respekt vor der Flamme. Dann frage ich: “Du möchtest etwas realisieren? Hier hast Du erstmal ein Blatt Papier und Schreib- und Malmittel und dann zeichne Deine Idee auf. Oder Du probierst Deine Idee in Ton aus. Diese Form ist erstmal kalt, die kannst Du also ungefährlich umsetzen.”

Dann gehen wir an den Arbeitstisch mit dem Brenner und wir erstellen den Arbeitsablauf. Wir nehmen eine Metallplatte, und wenn wir zum Beispiel einen Elefanten machen wollen, dann zeichne ich ihn hier auf der Metallplatte auf: Wir fangen mit dem Körper an, dann machen wir die Beine, dann den Schwanz und dann den Kopf mit Ohren und Rüssel. Und dann weiß der Kursteilnehmer, aha, ich fange erstmal mit dem Körper an und an diesen schmelze ich die übrigen Teile an. Wir besprechen also erstmal den Schlachtplan. Das ist ganz wichtig, denn ganz ohne Vorbereitung ist ein Anfänger aufgeschmissen.

Dann zeige ich dem Teilnehmer die Arbeit mit dem Gerät und drehe die Gashähne auf. „Vorsicht, Flamme!“ Das ist eine echte Flamme, an der man sich auch verletzen kann. Der Brenner wird mit Gas und Sauerstoff betrieben. Man hat verschiedene Düsenaufsätze zur Wahl, um damit verschiedene Flammenbilder zu erzeugen. Massivglas und Hohlglas bearbeitet man mit verschiedenen Flammen.

Für ein Rohr zum Beispiel braucht man eine große breite Besenflamme, um einfach viel Material mitzunehmen. Wenn man sehr filigran arbeiten möchte, dann braucht man eine Düse, die die Flamme hoch konzentriert, mit einer Temperatur von 1.200 bis 1.500 Grad.

Dann schmelzen wir das Glas. Wichtig zu wissen ist: Glas ist sehr spröde, es springt schnell, da kann man sich schnell verletzen, deswegen trägt man bei der Arbeit eine Schutzbrille. Wenn etwas auf die Haut fällt, kann es wieder heilen, aber Augen haben wir nur zwei und die schützen wir mit der Brille.

Anja: Woher erhältst Du Dein Rohmaterial?

Gleb: Zum Beispiel aus Lauscha. Ich kann das Material auch wiederverwenden. Mir ist ganz wichtig, das Material wieder zu verwenden. Manche Stücke zerplatzen beim Bearbeiten, zum Beispiel Schildkröten, die platzen gerne. Die kann man aber trotzdem weiter verarbeiten. Und wichtig ist auch, dass hier eine Ablüftung über dem Arbeitsplatz installiert ist. Die Flamme verbrennt natürlich die Atemluft. Deshalb muss immer für frische Luft gesorgt werden. Das ist ganz wichtig.

Anja: Verrätst Du uns noch Dein persönliches Geheimnis in Deiner Arbeit mit Glas?

Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Arbeit ist, man braucht Ruhe, hohe Konzentration, eine ruhige Hand und genaues Wissen, was man als nächstes macht.

Wenn man nicht weiß, was als nächstes kommt, dann ist das Projekt gescheitert.

Deswegen ist die Planung ein wichtiges Element in der Arbeit. Viele Menschen halten Abstand und haben Respekt vor der Arbeit. Es ist nicht wie mit Ton, da kann ich matschen, da passiert nichts, mit Ton kann ein Dreijähriger herummatschen. Bei Glas geht es um eine gefährliche Arbeitsumgebung. Doch wenn man alles richtig macht, dann passiert nichts, dann verbrennt man sich nicht. Man muss nur aufpassen und immer die Augen offen halten. Gut mit Glas arbeiten ist der Dreiklang aus Planung, Arbeitssicherheit und Konzentration.

Ein Geheimnis ist, das Glas Glas sein zu lassen.

Man darf es nicht in irgendwelche Formen zwingen, man muss den Charakter des Glases erhalten. Dann jongliert man mit den eigenen Vorstellungen und den Möglichkeiten des Materials. Es ist sehr wichtig, ausgewogen zu arbeiten.

Glas

Das deutsche Wort Glas leitet sich ab vom germanischen Glasa – das Glänzende, das Schimmernde. Hier scheint schon die Magie durch, die dem Glas seit Anbeginn innewohnt. Natürliches Glas entsteht immer dann, wenn eine Menge Energie im Spiel ist. Glas erblickt in Vulkanen als Obsidian und Bimsstein das Licht der Welt, Impaktglas und Tektite findet man nach dem Einschlag von Meteoriten, Fulgurite entstehen bei Blitzeinschlag, Trinitit durch die Explosion einer Atombombe, nach Bergstürzen entdeckt man Köfelsit.

Glasbläser

Das Handwerk der Glasbläserei reicht über 7.000 Jahre in die Menschheitsgeschichte zurück. Im ersten Jahrhundert vor Christus erfand man die Glasmacherpfeife, sie brachte die Glasmacherkunst enorm nach vorne. Heute würde man Killer Applikation dazu sagen. Seit 2016 ist die manuelle Glasfertigung ein von der UNESCO ausgezeichnetes immaterielles Kulturerbe. Der Glasbläser arbeitet „vor der Lampe“, also am offenen Brenner, das unterscheidet ihn vom meist industriell arbeitenden Glasmacher.

Künstlerisch tätige Glasbläser fertigen Vasen, Lampenschirme, Schmuckstücke, Schalen, Gläser, Tiere, Fantasieformen und vieles mehr und jedes Mal erstellen sie ein Einzelstück. Kein Stück gleicht dem anderen. Sie gestalten, sie bearbeiten und formen und alles muss vor der Flamme im Gleichgewicht und im Fluss gehalten werden – Hingabe, Präzision, Intuition, Erfahrung und ein gutes Gespür für den richtigen Zeitpunkt und die dem Glas innewohnenden Möglichkeiten zeichnen einen guten Glasbläser aus. Wer dem Glas etwas aufzwingen will, der zerbricht das Werk. Ein guter Glasbläser arbeitet mit dem Glas.

Ausbildung zum Glasbläser

Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Glasbläser dauert drei Jahre. Die ehemalige Fachakademie Glas, heute Berufsfachschule Glas in Lauscha (Thüringen), zum Beispiel ist eine altehrwürde und renommierte Institution. Sie wirkte federführend bei der in 1991 festgeschriebenen bundesweiten Anerkennung des Ausbildungsberufes Glasbläser mit.

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Interview: Anja Theßenvitz
Redaktion: Stefan Theßenvitz
Fotos: Marius Theßenvitz, Stefan Theßenvitz

Nachhaltige Politik

Nachhaltige Politik schafft einen verlässlichen Ordnungsrahmen für das gesellschaftliche Miteinander, sie mildert die existenziellen Nöte der Menschen (zum Beispiel Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut) sie sorgt für die Rahmenbedingungen eines gedeihlichen Gemeinwesens (Bildung, Infrastruktur), setzt das Gewaltmonopol durch und zieht das notwendige Maß an Steuern ein, um die öffentlichen Güter zu finanzieren.

Nicht nachhaltig ist Politik immer dann, wenn sie mit Fördermitteln Strukturen, Institutionen und Projekte schafft, die nicht gemeinwohlorientiert sind, wenn sie politisch opportune Klientel versorgt und wenn sie über ihre Kernaufgaben hinaus wirtschaftliche Entwicklungen aus einem politischen Interesse heraus steuert.

Nicht nachhaltig ist Politik immer dann, wenn sie sorglos oder fahrlässig Sozialsysteme (die durch die Beiträge der Menschen finanziert werden) zweckentfremdet und öffentliches Eigentum privatisiert ohne das Gemeinwohl zu stärken (zum Beispiel sozialer Wohnungsbau).

Zum Thema Nachhaltige Politik arbeiten wir mit Ministerien, Kammern, Verbänden, Verbünden und Initiativen.

Die Bewertung öffentlicher Güter mit der CVM – Contingent Valuation Method

Öffentliche Einrichtungen – z.B. Bibliotheken, Volkshochschulen, Theater, Philharmonien, Schullandheime, Museen, Krankenhäuser – stehen immer wieder vor der Herausforderungen, sich für ihre Existenz und ihr Wirken rechtfertigen zu müssen. Gerade in Zeiten knapper Kassen und düsteren Prognosen wollen viele Kommunen den Gürtel enger schnallen und prüfen minutiös, was sich denn einsparen ließe.

Vor allem in strukturschwachen Regionen wird so dauerhaft gesellschaftliches Kapital und Potenzial vernichtet. Der eindimensionale Ansatz des rigiden Kostensparens schafft unheilbare Verwüstungen in den Regionen. Das Gefühl sagt: was weg ist, ist weg und dieses öffentliche Gut wiederherzustellen wird um ein Vielfaches teurer als das bestehende Gut weiterzuentwickeln.

Ich wurde schon oft gefragt, wie man denn ultimativ Kosten sparen könne. Meine Antwort: „mach den Laden zu“. Diese provokative Antwort macht eines klar. Es ist sinnlos, nur auf die Kosten zu starren. Wir brauchen einen umfassenden Blick auf unsere öffentlichen Güter, um deren Wert sinnvoll zu erfassen.

Verstehen Sie mich richtig. Marode, nutzlose und einfaltslos gemanagte Einrichtungen sind mir ein Gräuel. Ich bin ein Freund effizienter Strukturen und Prozesse, ich liebe eine hohe Auslastung (Produktivität) und die substanzielle Weiterentwicklung bestehender öffentlicher Güter an die Bedürfnisse der Zeit.

Die CVM – Contingent Valuation Method ist insbesondere interessant für Institutionen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Wissenschaft und Umwelt. Die CVM misst den Wert und Nutzen öffentlicher Güter an Hand einer konkreten Zahlungsbereitschaft. Die Zahlungsbereitschaft bezieht sich gleichermaßen auf den unmittelbaren Gebrauchswert wie auf mittelbare Nichtgebrauchswerte – den Optionswert, den Existenzwert und den Vermächtniswert. Damit erhalten Sie Antworten aus vier Perspektiven über den Nutzen und den Wert Ihrer Institution für jeden Einzelnen und die Gesellschaft.

Die Akzeptanz der CVM in der Bevölkerung und auf politischer Ebene wird durch den Megatrend Value for Money begünstigt: immer mehr Bürger stellen an öffentliche Güter und Dienstleistungen die Fragen:

  • Was habe ich davon?
  • Was bringt es mir?
  • Was nützt es der Gesellschaft?
  • Kann man das Geld in alternative Lösungen investieren – für einen höheren oder besseren Nutzen?
  • Was ist Wohlstand – persönlich und gesellschaftlich?

Mit der CVM stellen Sie Waffengleichheit her und argumentieren systemkonform – in gelernten und akzeptierten Bewertungsmustern. Die CVM bedient sich anerkannter betriebswirtschaftlicher Verfahren, den ökonomischen Wert von Gütern, Produkten und Dienstleistungen zu ermitteln. Die CVM überträgt diese Logik auf öffentliche Güter.

Die CVM verfügt über ein hohes Aufmerksamkeitspotenzial. Mit der Durchführung der CVM muss der Wille verbunden sein, diese Ergebnisse öffentlichkeitswirksam in den Diskurs einzuspeisen, aktiv damit zu werben und das Gespräch, insbesondere mit den Stakeholdern bzw. relevanten Beziehungspartner zu suchen und zu führen.

Der Nutzen der CVM bemisst sich natürlich aus dem Erkenntnisgewinnung. Doch v.a. bemisst er sich durch die Kraft des Arguments, der kurzfristigen, singulär monetären Perspektive eine überzeugende und beweisbare langfristige und gemeinwohlorientierte Perspektive beizustellen.

Einblick in die Method CVM

Die CVM misst die Zahlungsbereitschaft für existente, mögliche/vorstellbare und (wieder) herstellbare öffentliche Güter. Die Zahlungsbereitschaft bezieht sich gleichermaßen auf den unmittelbaren Wert und mittelbare Werte.

Unmittelbarer Wert

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Gebrauchswert

  • Wie viel Geld investiere ich persönlich in die Nutzung des öffentlichen Gutes?
  • Wie viel Geld ist mir die persönliche Nutzung des öffentlichen Gutes wert?

Gebrauchsnutzen

  • Welchen Nutzen ziehe ich persönlich aus dem öffentlichen Gut (Qualitäten)?
  • Um wie viel % oder € übersteigt mein persönlicher Nutzen meine persönliche Investition (Quantitäten)?

Mittelbare Werte

CVM-Contingent-Valuation-Method-04-mittelbar

Optionswert

  • Wie teuer käme es mich, dieses öffentliche Gut nicht mehr zu haben?
  • Wie viel wäre mir die Schaffung des öffentlichen Gutes wert?

Existenzwert

  • Wie hoch ist der Nutzen des öffentlichen Gutes für mich, auch wenn ich es persönlich nicht nutze?
  • Wie hoch ist der Nutzen des öffentlichen Gutes für die Gesellschaft, auch wenn ich es persönlich nicht nutze?

Vermächtniswert

  • Was fehlt der kommenden Generation, wenn dieses öffentliche Gut nicht existiert?
  • Wie teuer käme es die kommende Generation, wenn dieses öffentliche Gut neu geschaffen werden müsste?

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie eine Untersuchung über den Wert und Nutzen Ihrer Öffentlichen Einrichtungen und Institutionen mit der CVM durchführen wollen. Wir freuen uns auf Ihr Lebenszeichen.

Herzlich willkommen im Club der klaren Denker und kraftvollen Macher,

Ihr Stefan Theßenvitz